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Wegränder - Lebensräume in der Agrarlandschaft

Mai 2021
Wie ein riesiges Netz überspannen zahllose Feldwege die Landschaft, um die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen (Äcker und Wiesen) zu ermöglichen. Aber auch Obstwiesen, Weinberge und andere Areale der Flur werden landesweit durch Wege erschlossen. In ganz Deutschland umfasst dieses Wegenetz mehrere Hunderttausend Kilometer. Bei einer angenommenen Breite der Wegränder von etwa 2 m (oft ist es mehr) entsteht so eine Fläche von über 200.000 Hektar wichtiger Saumbiotope (AID).

Gerade in einer oftmals ausgeräumten und maschinengerechten Feldflur sind die Wegränder meist die letzten Rückzugsgebiete für viele Arten aus dem Tier- und Pflanzenreich. Durch ihre linienhaften Strukturen können Wegränder Biotope miteinander verbinden und die Ausbreitung von Arten ermöglichen. Zusammen mit Hecken, Feldgehölzen und Waldrändern entsteht somit ein Biotopverbundsystem.

Abbildung: Wegränder verbinden Biotope -

Leider sind auch diese Saumbereiche manchmal bedroht. So werden mitunter Ackerraine durch den Maschineneinsatz in der Intensivlandwirtschaft gleich mit bearbeitet. Aber auch der Einsatz von Herbiziden zerstört die Wegrandbiotope, wobei man hier nicht unbedingt eine Absicht unterstellen mag. Bei der Ausbringung der Pflanzenschutzmittel können diese jedoch durch die Winddrift auch bis zu den Wegrändern gelangen und dort wachsende Arten zerstören. Weitere Gefahren drohen den Saumbiotopen durch zu häufiges Mähen, welches in der Regel von den zuständigen Gemeinden in Auftrag gegeben wird.

Abbildung: intensive Landwirtschaft -

Wegränder, Ackerraine und andere Saumgesellschaften erfüllen wichtige Aufgaben im Haushalt der Natur, insbesondere in einer Natur, deren „ökologisches Inventar‟ sehr übersichtlich ist, um es einmal so zu formulieren.

Vielen Arten bieten die Wegränder z. B. Deckung und schützen so vor Angriffen durch Beutegreifer. Besonders wichtig ist dies nach der Ernte der Ackerflächen, weil die Feldflur dann monatelang völlig offen ist. Bei Störungen durch die Bewirtschaftung der Felder und Grünländereien (Maschineneinsatz) dienen die Wegrandbiotope als Rückzugsgebiete für sensible Arten.
In den Wintermonaten werden die Saumgesellschaften sehr gerne von Insekten und ihren Entwicklungsstadien genutzt, um in alten Pflanzenstängeln und Halmen zu überwintern.

Ganz offensichtlich ist natürlich das Vorhandensein von Nahrung für diverse Arten von Insekten, Vögeln und (Klein-)Säugern, die sich an Nektarpflanzen, Sämereien und Gräsern bedienen. Viele Schmetterlingsarten finden in der freien Natur nur noch in diesen Saumbereichen die Futterpflanzen für ihre Raupen (etwa Brennnesseln).

Abbildung: Schmetterlingsraupen und ihre Futterpflanze -

Zahlreiche Tierarten nutzen die Wegränder als Wohnstätte und als Nistgelegenheit. Vor allen sind es Insekten und Spinnen, aber auch Vögel, Kleinsäuger und Reptilien stellen sich ein. Aus der Gruppe der Insekten sind es vor allem Schmetterlinge, Hautflügler und Käfer. Bei den Vögeln sind es z. B. Rebhuhn, Wachtel, Feldlerche, Goldammer und Stieglitz (Auswahl). Weitere Arten dieser Saumbereiche sind Wiesel, Mäuse, Zauneidechse und Blindschleiche.

Abbildung: Insekten am Wegesrand -

Abbildung: Eine Blindschleiche kreuzt den Weg -

Aus der Welt der Pflanzen finden wir diverse Wildblumen, Gräser, Kräuter und Stauden, deren Lebensbedingungen auf den benachbarten intensiv bewirtschafteten Flächen nicht mehr vorhanden sind. Beispielhaft seien hier folgende Arten genannt: Kornblume, Wiesen-Margerite, Glockenblumen, Wilde Möhre, Knäuelgras, Wiesen-Fuchsschwanz, Rainfarn sowie Brenn- und Taubnesseln. Dies ist nur eine sehr kleine Auswahl der potenziell möglichen Arten. Ihr Vorkommen ist natürlich auch immer vom jeweiligen Standort abhängig.

Abbildung: Blühender Rainfarn -

Abbildung: Wegwarte am Wegesrand -

Gerade in den weitgehend ausgeräumten und intensiv genutzten Agrarlandschaften sind Wegränder oftmals die letzten Refugien für zahlreiche (auch seltene) Tier- und Pflanzenarten. Darum sollten wir diese Lebensräume erhalten und schützen.


Literatur:

Auswertungs- und Informationsdienst für
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten AID e. V. (Hrsg.), 1993
Wegränder: Bedeutung – Schutz - Pflege

Faust, B. & Hutter, C.P 1988
Wunderland am Wegesrand
Thienemann, Stuttgart - Wien

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub

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