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Seminar "Heimische Fische"


Die Gelegenheit zum Kennenlernen heimischer Fischarten bot ein von der NAH angebotenes und von Ulrike Steinweg organisatorisch vorbereitetes zweitägiges Seminar. In einem Theorie-Teil gab der langjährige Geschäftsführer des Verbandes hessischer Fischer, Leonhard R. Peter (Biebertal), Einblicke in Stammesgeschichte, Anatomie, Ökologie, Brutbiologie und Verhalten der mit 30.000 Arten umfangreichsten Wirbeltier-Gruppe. In hessischen Gewässern kommen rund 60 verschiedene Fischarten vor. Eine anatomisch-sinnesphysiologische Besonderheit der Fische sind die Seitenlinienorgane, mit deren Hilfe Stärke und Richtung von Druckwellen identifiziert werden können. Die Laichzeiten sind übers ganze Jahr verteilt: Äsche und Hecht legen im Frühjahr ihre Eier ab, im Sommer folgen Karpfen und Barben, die Forellen bringen den Nachwuchs im Herbst und Winter hervor.

Je nach Ansprüchen an die Temperatur und Sauberkeit des Wassers wird in Fluss-Systemen in eine Forellen-, eine Äschen-, eine Barben- und eine Brassen- bzw. Brachsen-Region unterschieden. In dem in NRW gelegenen Oberlauf der Lahn dominiert die Bachforelle, Elritzen, Koppe und Bach-Neunauge bilden die Begleitfauna. Auf hessischem Gebiet sind die wegen ihres vorsichtigen Verhaltens als „Prinzessin“ bezeichneten Äschen prägend, ergänzt durch Bachschmerlen, Gründlinge und einen „Schneider“ genannten kleinen Schwarmfisch. Unterhalb Marburgs beginnt die Barbenregion mit Hasel, Döbel, Ukelei und Barschen, zu denen auch der bei Anglern begehrte Zander gehört. In den unteren, strömungsarmen Abschnitten gibt es die wegen ihrer Fleischgräten verschmähten sogenannten „Weißfische“ in großer Zahl. Sie haben eine größere Toleranz gegenüber höheren Wassertemperaturen und Verunreinigungen im Gewässer. Eine invasive Art ist der Blauband-Bärbling, der über die Donau aus der Schwarzmeer-Region aufgestiegen ist. Welse („Waller“) können zweieinhalb Meter lang und an die 100 kg schwer werden, fressen z.B. auch Entenküken und Bisamratten und stammen ursprünglich aus der Donau.

Entlang der 246 Lahnkilometer müssen von auf- und absteigenden Fischarten 80 Querbauwerke überwunden werden. Am Lahnufer in Gießen besichtigte die Gruppe am Rande einer ehemaligen Mühle eine Fischtreppe, die den Tieren als Alternative zum Durchgang durch die Wasserkraft-Turbine angeboten wird. Sogenannte „Lockströme“ sorgen dafür, dass dieser sichere Weg auch präferiert wird. „Fische sind – anders als etwa Vögel – keine vom Menschen besonders geliebte Tiergruppe. Wir wollen mit unserem ‚Lahn-Fenster‘ den direkten Sicht-Kontakt zu hinter Glas vorbeiziehenden Fischen ermöglichen“, erläuterte RP-Mitarbeiter Stefan Schnellberger den Gästen aus Wetzlar die Funktion der Beobachtungsstation, die 2014, im Jahr der Landesgartenschau, 40.000 Besucher erlebt hat.

„Wie steht es um das Schmerzempfinden von Fischen?“, interessierte die Seminarteilnehmer. Der passionierte Angler Peter berichtete von einem Hecht, der einen abgerissenen Fliegenköder samt Angelhaken im Maul hängen hatte: „Das hat dem Appetit des Lauerjägers aber keinen Abbruch getan. Sein Empfinden ist mit dem menschlichen Schmerz sicher nicht vergleichbar. Wir sind aber vom Tierschutz her gehalten, den Tieren Stress und Verletzungen zu ersparen.“

Den Abschluss des Exkursionstages bildete der Besuch einer Fischzuchtanlage in Wetterfeld am Fuß des Vogelsberges. Der Betrieb hat sich auf die Nachzucht von heimischen Fischarten wie Hasel, Nasen, Rotaugen und Rotfeder spezialisiert. Auch der brutbiologisch mit der Teichmuschel in Symbiose lebende Bitterling wird hier gezogen. Das Problem im natürlichen Ökosystem: Aus Asien stammende Teichmuscheln haben die heimische Spezies verdrängt. Zwar legt der Bitterling seine befruchteten Eier auch gerne in die „chinesische Symbiose-Partnerin“, diese sondert den „Untermieter“ jedoch wieder ab. Den Larven des Bitterlings fehlt somit der für die weitere Entwicklung notwendige Schutzraum. Gefahr droht Jungfischen zuweilen auch von den eigenen Artgenossen: Kannibalismus ist unter Fischen verbreitet, Brutpflege findet dagegen nur in Ausnahmen statt, etwa beim Dreistacheligen Stichling.

Text und Foto: Klaus Petri

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