Sie sind hier: Dokumentation
Zurück zu: Startseite
Weiter zu: Veranstaltungen Weitere Materialien
Allgemein: Kontakt Impressum Datenschutzerklärung

Suchen nach:

Maserknollen, Hexenbesen und Lyrakronen

Nein, hier handelt es sich nicht um Kultbegriffe aus der Welt keltischer Druiden und auch nicht um mittelalterliche Bezeichnungen für seltene Krankheiten. Vielmehr stehen die Namen für Wuchsanomalien, die an unseren Bäumen auftreten können.
Im März sind die Wälder noch kahl und erlauben uns Einblicke auf Phänomene, die später im belaubten Zustand schwieriger zu entdecken sind. Dazu zählen auch diverse Wuchsanomalien, die sich manchmal an den Stämmen, Ästen oder auch in den Kronen der Bäume befinden.

So können aufmerksame Naturfreundinnen und Naturfreunde bei Waldexkursionen immer wieder einmal beulenartige - mitunter auch bizarr verformte - Auswüchse an Baumstämmen beobachten. Hinzu kommen abweichende Wuchsformen an Ästen oder auch merkwürdige Verwachsungen in den Kronenbereichen. Die Erscheinungsformen dieser Wuchsanomalien sind durchaus komplex und ihre Ursachen sind oft nicht immer bis ins letzte Detail geklärt.

Abbildung: Diese Anomalie hat Ähnlichkeit mit einem Tierkopf -

Maserknollen und Tumore
Diese beulenartigen Stammauswüchse können an Laub- und Nadelbäumen auftreten, wobei besonders Buchen, Eichen und Linden betroffen sind. Oft sind es kleinere Gebilde, teilweise können sie aber auch recht groß werden und Durchmesser bis zu einem Meter erreichen. Ihre Oberfläche kann glatt sein oder auch eine rissige, krebsartige Struktur aufweisen. Maserknollen entstehen durch die sog. „Kropfkrankheit‟, die auch als „Knollensucht‟ bezeichnet wird. Das Holz dieser Kröpfe weist eine wellenartige, gemaserte Struktur auf, daher der Name. Die Ursache dieser Maserknollenbildung ist nicht eindeutig geklärt, vermutet werden verschiedene Faktoren.

Abbildung: Maserknollen an Buchenstamm -

Von diesen Maserknollen sind Tumore oft nicht leicht zu unterscheiden. Hierbei handelt es sich um Gewebeneubildungen, die durch Viren, Bakterien oder auch genetische Faktoren ausgelöst werden können. Der mitunter auftretende Buchenkrebs wird hingegen von Pilzen verursacht, die durch Rindenwunden in den Baum eingedrungen sind.

Abbildung: Große Wucherung an einem Birkenstamm -

Hexenbesen
Unter „Hexenbesen‟ versteht man die abnorme, massenhafte und wuchernde Triebbildung im Kronenraum verschiedener Bäume. Oft sitzen diese sozusagen als Parasiten auf gesunden Ästen. Betroffen sind meist Kiefer, Tanne, Birke und Kirsche. Auch hier sind oft Pilze die Erreger; aber auch Knospenmutationen sind möglich. Letztlich sind jedoch nicht alle auslösenden Faktoren bekannt. Durch die sehr dichte Verzweigung erinnern diese Gebilde an einen Besen. Ihre Form ist allerdings mehr kugelig, wobei Durchmesser von über einem Meter möglich sind.

Abbildung: Hexenbesen in der Krone einer Waldkiefer -

Lyrakronen und andere Wuchsanomalien
Lyrakronen entstehen mitunter nach Kronenbrüchen durch Schnee- oder Windlast. Meist übernimmt dann ein Seitenast das weitere Höhenwachstum und wird so zum Terminaltrieb. Manchmal jedoch strecken sich zwei gegenüberliegende Seitenäste in die Höhe, wodurch dann im Lauf der Jahre eine typische Kronenform entsteht, die stark an eine Lyra erinnert. Dieses Phänomen ist vorwiegend bei Nadelbäumen (Fichte, Kiefer, Lärche) zu beobachten.

Abbildung: Lyrawuchs an Kiefer und Lärche -

Die Basis dieser Lyrakronen wird übrigens sehr gerne von Greifvögeln für den Horstbau genutzt.

Abbildung: Mäusebussardhorst in einer Lyrakrone -

Unsere Bäume zeigen mitunter noch weitere Besonderheiten. So gibt es Verwachsungen oder auch sich schlängelnde oder drehende Stämme und Äste.

Abbildung: Zusammengewachsene Buchen umschlingen eine Kiefer -

Auch eine Mehrstämmigkeit kann manchmal beobachtet werden, wenn der Hauptstamm sich in weitere Stämme aufteilt oder wenn diese direkt aus dem Wurzelstock herauswachsen.

Abbildung: Mehrstämmigkeit bei einer Linde -

Wie wir sehen, gibt es bei den Bäumen immer wieder einmal etwas zu entdecken. Darauf stoßen wir nicht zwangsläufig nur im Wald. Auch bei Bäumen in der Feldflur, in der Stadt und in unseren Gärten können solche Besonderheiten auftreten. Letztlich sind diese Wuchsanomalien ein weiterer Beleg für unsere facettenreiche Natur.

Literatur:

Butin, H. & Zycha, H.1973
Forstpathologie
Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Schwerdtfeger, F. 1970
Die Waldkrankheiten
Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin


Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub

Gehe zu: Unsere Natur im Februar Giftige Schönheiten