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Giftige Schönheiten


In diesem Beitrag werden einige giftige Pflanzen vorgestellt, die auch bei uns in Hessen wachsen. Natürlich gibt es hier bei weitem nicht die Fülle an Giftpflanzen, wie wir sie aus den Tropen oder von anderen Orten der Welt kennen. Aber auch die gemäßigten Klimazonen beherbergen giftige, ja sogar sehr giftige Arten. Vom Namen her sind uns viele von ihnen bekannt, was aber nicht zwangsläufig auch eine korrekte Bestimmung in der Natur ermöglicht. Dies aber kann zu Verwechslungen führen, wodurch ernsthafte Gefahren für unsere Gesundheit entstehen können.

So wurde schon der ungiftige – und in der Kräuterküche gerne verwendete – Bärlauch mit dem stark giftigen Maiglöckchen verwechselt. Zwar unterscheiden sich die beiden Arten durch ihre Blüten und auch die Gerüche sind unterschiedlich (starker Knoblauchgeruch beim Bärlauch gegen den lieblichen Duft eines Maiglöckchens). Anders sieht es aber bei den sehr ähnlichen Blättern der beiden Pflanzen aus und gerade diese werden ja beim Bärlauch in der Küche verarbeitet.

Abbildung: Bärlauch (links) und Maiglöckchen -

Bei vielen anderen Giftpflanzen ist eine Verwechslung eher unwahrscheinlich, da sie nicht verzehrt werden. Allerdings sind Kinder durchaus gefährdet, weil sie dazu neigen, etwa auffällige Beeren in den Mund zu nehmen. Die Warn- und Signalwirkung dieser giftigen Früchte oder auch Blüten wird von Kindern nicht erkannt. Entsprechende Arten stellen somit zumindest eine potenzielle Gefahr dar.

Abbildung: Stark giftige Tollkirsche -

Pflanzen mit giftigen Früchten sind z. B. Tollkirsche (stark giftig), Gefleckter Aronstab (giftig), Maiglöckchen (stark giftig), Efeu (giftig), Gemeiner und Wolliger Schneeball (schwach giftig), Pfaffenhütchen (giftig) und Schneebeere (schwach giftig). Dies ist nur eine Auswahl einheimischer Pflanzen mit giftigen Früchten (meist Beeren). Vor allem in unseren Gärten können auch noch andere fremdländische Giftpflanzen vorhanden sein.

Abbildung: Aronstab -

Weitere giftige Arten mit sehr auffälligen Blüten sind Blauer und Gelber Eisenhut (sehr stark giftig), Roter Fingerhut (giftig), Herbstzeitlose (stark giftig) und Goldregen (giftig) – auch dies nur eine Auswahl.

Abbildung: Ein Blauer Eisenhut - giftigste Pflanze Europas! -

Abbildung: Der giftige Rote Fingerhut -

Ein besonderer Fall bei den Giftpflanzen ist der (ursprünglich als Zierpflanze eingeführte) Riesen-Bärenklau, auch als Herkulesstaude bezeichnet. Dieser hat sich als invasive Art sehr stark in der heimischen Natur ausgebreitet. Gerne besiedelt dieser Neophyt Feuchtwiesen, Auen und die Uferbereiche von Gewässern.
Problematisch sind Berührungen der Pflanze (oder der Pflanzensäfte) mit der menschlichen Haut. In Verbindung mit dem Sonnenlicht entstehen so fototoxische Reaktionen. Die Folgen sind Hautreizungen, Rötungen bis hin zu starken Verbrennungen (mit Blasenbildung).

Abbildung: Riesen-Bärenklau am Ufer der Lahn -

Die von Giftpflanzen ausgelösten Reaktionen und Symptome können recht verschieden sein. Dies kann sich in Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Krampfanfällen, Lähmungen und auch Herzrhythmusstörungen äußern. Auf jeden Fall sollte bei dem Verdacht einer Vergiftung immer ein Arzt aufgesucht werden.

Natürlich können auch Haustiere durch den Verzehr von giftigen Pflanzen beeinträchtigt werden. Betroffen davon sind vorwiegend unsere Weidetiere, etwa durch den Verzehr der hoch giftigen Herbstzeitlosen, die gerade auf Weiden und Wiesen wächst.

Abbildung: Sehr giftige Herbst-Zeitlose auf einer Wiese -

Im Vergleich zu vielen anderen Risiken des täglichen Lebens sind die Gefahren durch unsere „giftigen Schönheiten‟ vergleichsweise gering – aber sie sind dennoch vorhanden!



Giftnotruf

Giftinformationszentrum der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen
Tel.: 06131 19240 (Tag und Nacht erreichbar!)



Literatur

Maier, U. 1989
Giftpflanzen – Beschauen, nicht kauen
Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung (Hrsg.), Marburg

Seidel, D. 2001
Blumen
BLV, München



Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub

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