Naturschutz-Akademie Hessen

Umsiedlung von Wespen und Hornissen


Der ein oder andere hatte vielleicht schon selber das Problem: ein Wespen- oder Hornissennest auf der Veranda oder vielleicht auch im Rollladenkasten. Der erste Gedanke gilt dabei oft dem Schädlingsbekämpfer. Doch es besteht auch die Möglichkeit, das Nest umsiedeln zu lassen. Dafür gibt es im Lahn-Dill-Kreis Fachberater.

Allerdings überstieg im Jahr 2018 die Zahl der angefragten Umsiedlungen bei Weitem die zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Deshalb bietet die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Lahn-Dill-Kreises in Zusammenarbeit mit der NAH ein Fortbildungs-Angebot zu diesem Thema an.

Am 09. März fand die erste Veranstaltung mit mehr als 30 Teilnehmern statt. Thema der Fortbildung war die „fachgerechte Beratung und Umsiedlung von Wespen- und Hornissen“. Mit dabei waren u. a. Imker und Mitglieder von freiwilligen Feuerwehren, aber auch Natur-Interessierte und Natur- und Landschaftsführer.
Verantwortlich für die inhaltliche Umsetzung war Reiner Jahn. Er ist selber aktiver Imker und war 2018 an der Umsiedlung von rund 40 Wespen- und Hornissennestern beteiligt.

Nach einer Vorstellungsrunde stellte er zunächst die verschiedenen sozialen Faltenwespen Deutschlands vor. Er gab einen Überblick über die verschiedenen Arten und wie man diese unterscheiden kann. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Arten für den Menschen gar keine Gefahr darstellen und eine Umsiedlung oft gar nicht nötig ist. Da Hornissen ihre Nester in der Regel nur eine Saison nutzen, kann es tatsächlich oft schon ausreichen abzuwarten. Eine Umsiedlung wird aber zum Beispiel dann notwendig, wenn es zu einer gesundheitlichen Gefährdung kommen kann wie im Fall von Allergien gegen Wespen- oder Hornissengift.

Die UNB war durch Vera Tebartz vertreten. Sie informierte über die rechtlichen Aspekte, die bei einer Umsiedlung zu beachten sind. Sie ging besonders auf das Bundesnaturschutzgesetz ein. In diesem ist u. a. geregelt, welche Tierarten unter welchen Voraussetzungen umgesiedelt werden dürfen. Es zeigte sich, dass Hornissen – anders als Wespen – unter den besonderen Artenschutz fallen und somit immer eine Ausnahmegenehmigung zur Umsiedlung/Abtötung bei der zuständigen Behörde einzuholen ist. Ein Verstoß gegen die Verordnung kann empfindliche Geldstrafen nach sich ziehen.

Nach der Mittagspause starteten die beiden Referenten mit einem gemeinschaftlichen Bericht über ihre Erfahrungen aus telefonischen Beratungsgesprächen. Oft kann nämlich schon in diesem Gespräch die Möglichkeit einer Umsiedlung eingeschätzt oder ggf. auch durch entsprechende Informationen eine Umsiedlung verhindert werden.



Im Anschluss daran gab es Infos zu Umsiedlungstechniken und die hierfür benötigte Ausrüstung. Herr Jahn hatte reichlich Anschauungsmaterial aus seiner eigenen Arbeit mitgebracht, an dem er demonstrierte, wie man Hornissen oder Wespen erfolgreich und vor allem stichfrei umsiedeln kann.
Schließlich waren noch einmal die Teilnehmer gefragt. Mithilfe von Bestimmungskarten galt es, die auf 12 Bildern dargestellten Wespen und Hornissen anhand der dargestellten Körper- und/oder Nestmerkmale zu bestimmen.

Die erfolgreiche Teilnahme an der Veranstaltung gilt als Sachkundenachweis zur Umsiedlung von Wespen- und Hornissenvölkern im Lahn-Dill-Kreis.