Naturschutz-Akademie Hessen

Tierspuren in der Natur

In unserer Natur sind sie fast überall vorhanden. Bei jeder Wanderung können wir auf sie treffen und doch werden wir ihre Verursacher nur recht selten zu Gesicht bekommen. Die Rede ist von Tierspuren, die in ganz unterschiedlichen Formen auftreten. Fährten und Trittsiegel zählen natürlich dazu, aber auch Fraßspuren an Pflanzen, die Entenfeder am Ufer eines Gewässers, die Fuchslosung auf einem Baumstubben oder das leere Schneckenhaus am Rand einer Hecke.


Spuren, die uns Tiere hinterlassen, sind nicht nur interessante Phänomene in unserer Natur, sondern lassen auch Rückschlüsse auf das vorhandene Artenspektrum in einem Gebiet zu. Natürlich denken wir bei den Tierspuren zunächst an Fußabdrücke und Fährten, die insbesondere bei Schneelagen im Winter gut zu entdecken sind. Das Thema ist jedoch sehr viel komplexer, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Feldhasenspur im Schnee


Sehr interessant sind etwa die unzähligen von Tieren verursachten Fraßspuren an Pflanzen, Pflanzenteilen oder auch an Beuteresten. Im Gegensatz zu vielen Fußspuren, können wir hier auch Merkmale erkennen, die durch kleine und sehr kleine Tiere (z. B. Insekten) während der Nahrungssuche entstanden sind.

Bei den Fraßspuren gibt es sehr auffällige, aber auch unscheinbare oder verborgene Formen, wobei die auffälligen Fraßbilder nicht zwangsläufig von großen Tieren stammen müssen. Dies trifft z. B. auf einige Insekten zu, die in Wäldern großen Schaden anrichten können und dabei nicht zu übersehende Fraßspuren hinterlassen.
Einige zu Massenvermehrungen neigende Schmetterlinge sind hier zu nennen, deren Raupen ganze Waldbestände durch sog. „Kahlfraß“ schädigen können.
Besonders Fichtenwälder werden von einem anderen Insekt bedroht, dessen Fraßspuren zwar sehr charakteristisch, aber auch recht verborgen sind. Es handelt sich dabei um den "Buchdrucker" (ein rindenbrütender Borkenkäfer), dessen Fraßgänge auf der Innenseite von Fichtenrinden sichtbar werden. Wir finden diese Spuren häufig bei trockenen, absterbenden oder auch lagernden Fichtenstämmen.

Buchdrucker-Fraßbild


Wiederum an Fichten-, aber auch an Buchen- und anderen Laubbaumstämmen können wir in Rotwildgebieten oftmals sog. „Schälschäden“ entdecken. Diese Fraßspuren entstehen durch das Rotwild, welches die Baumrinde plätze- oder streifenweise abschält.

Vom Rotwild geschälte Fichten


Dies sind jedoch nicht die einzigen Fraßspuren, die das Rotwild im Walde hinterlässt. Bei hoher Wilddichte verbeißen die Hirsche (und auch die Rehe) massiv die Wipfel- und Seitentriebe sowie die Knospen junger Bäume. Derartige Bäume sind gut an ihren besonderen Wuchsformen zu erkennen, da sie auch nach Jahren kaum über einen kniehohen Wuchs hinauskommen und eine heckenartig dichte Verzweigung aufweisen. Insgesamt haben sie eine starke Ähnlichkeit mit einem etwas zu groß geratenen Bonsai.

Viele Kleinvögel, aber auch größere Arten wie Eichelhäher, Rebhuhn, Ringeltaube, Fasan oder Wildenten werden gelegentlich zum Opfer von Beutegreifern. Mit Federn übersäte Fundstellen weisen darauf hin. Dabei können wir zwischen Riss und Rupfung unterscheiden. Im ersten Falle wurde der Vogel von einem Raubsäuger (Fuchs, Marder ...) gerissen - die Federn sind dann abgebissen. Bei einer Rupfung wurden die Federn herausgezogen - dann wurde das Opfer von einem Greifvogel (Habicht, Sperber, Eule ...) geschlagen.

Taubenrupfung


Recht auffällige Erscheinungen sind „Gallen‟, die wir an Blättern und Zweigen von Bäumen und Sträuchern entdecken können. Als Beispiele seien genannt: die Rosengalle (Schlafapfel), Eichengalle, Buchengalle sowie Gallen an Fichten und Linden. Tierische Verursacher sind oft Gallwespen oder auch Gallmilben.

Gallen


Hinzu kommen diverse Fundstücke, die wir am Boden finden können. Schneckenhäuser, Federn, Losungen, Gewölle, Abwurfstangen von Hirschen und Rehen oder auch Knochen sind hier zu erwähnen.

Schnirkelschnecken-Haus


Natürlich werden uns auch die Netze der Spinnen, der Ameisenhügel am Waldrand und angeknabberte Baum- und Strauchfrüchte nicht verborgen bleiben.

Radnetz im Morgentau


Es gibt noch viele weitere Tierspuren in unserer heimischen Natur, die hier jedoch nicht erschöpfend behandelt werden können. In Wald und Flur wird man sie finden - gehen Sie auf Entdeckungstour!



Literatur:

Bouchner, M. 1982
Der Kosmos-Spurenführer
Franckh, Stuttgart

Witt, R. 1994
Tierspuren – Beobachtungen durch das Jahr
Mosaik Verlag, München


Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub