Naturschutz-Akademie Hessen

Pflanzengallen


Dem aufmerksamen Naturfreund bleiben sie nicht verborgen, die eigenartigen Gebilde, die mitunter auf Blättern oder anderen Pflanzenteilen wachsen. Ganz unterschiedliche Formen und Farben haben sie – einige sind rund, andere eher eiförmig und wieder andere erscheinen als kleine Punkte, in buschiger Form oder auch als größere Wucherung. Die Rede ist von Pflanzengallen (Cecidien), deren Verursacher häufig Insekten oder Milben sind. Aber auch Pilze, Viren und Bakterien können derartige Wuchsanomalien hervorrufen.

Die Gallbildung ist eine Reaktion der Pflanze auf die Einwirkung von Hormonen, welche die verschiedenen Erreger produzieren. Bei den Insekten sind es meist die zu den Hautflüglern gehörenden Gallwespen, die auffällige Gallen auslösen. Aber auch Gallmücken und Blattläuse können Verursacher sein. Besonders im Spätsommer und Herbst sind Pflanzengallen häufige Erscheinungen, die man im Wald, an Waldrändern und Hecken finden kann.

Recht bekannt sind die rundlichen Büschel der Rosen-Gallwespe, die auf Wildrosen (meist auf der Hundsrose Rosa canina) wachsen. Diese Galle wird auch als „Schlafapfel“ bezeichnet. Aber auch die Gallen der Eichen-Gallwespe oder der Buchen-Gallmücke sind auf den Blättern der betroffenen Bäume gut zu erkennen. Etwas genauer hinschauen muss man hingegen bei der Ahorn-Gallmilbe, deren Gallen sich als kleine rote Gebilde auf den Ahornblättern zeigen.
Aber nicht nur Laubgehölze werden befallen, sondern auch Nadelbäume. So sind die einer kleinen Ananas ähnlichen Gallen – meist an den Spitzen von Fichtentrieben – recht bekannt, deren Verursacher Fichten-Gallenläuse sind.

Auch wenn einige Gallformen recht auffällig in Erscheinung treten, so sind viele ihrer Erreger sehr klein und mit einer Größe von z. T. wenigen Millimetern kaum wahrnehmbar. Bis auf ein paar Ausnahmen ist der Befall für die betroffenen Pflanzen meist unproblematisch. Amerikanische Wissenschaftler vermuten, dass die Gallbildung eine strategische Reaktion der Pflanze ist, um die Fraßschäden auf das gebildete Nährgewebe zu begrenzen (Dreyer). Eichen, auf denen übrigens bis zu 30 verschiedene Gallformen nachgewiesen werden konnten, reagieren aber auch direkt mit einer erhöhten Gerbstoffproduktion in der Galle. Die eingeschlossenen Larven versuchen wiederum mit entsprechenden Enzymen diese Gerbstoffe zu neutralisieren (Kremer). Somit finden sehr komplexe Wechselwirkungen bei der Bildung von Pflanzengallen statt.

Fotos

Literatur

Dreyer, E. & W. Dreyer, 1990
Der Kosmos-Waldführer
Franckh-Kosmos, Stuttgart

Kremer, B., 1990
Naturspaziergang Wald
Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart