Naturschutz-Akademie Hessen

Nicht nur Nebel - Natur im November


Natürlich ist gerade der November berüchtigt für seine trüben und nebeligen Wochen. Regen, Sturm und Kälte und auch die nun deutlich kürzer werdenden Tage tragen zusätzlich zum eher schlechten Gesamtbild dieses Monats bei. Ein plötzliches Erstarren der Natur hat dies aber keinesfalls zur Folge, denn auch der „Nebelmonat‟ bietet den aufmerksamen Naturfreundinnen und Naturfreunden durchaus noch vielfältige Erlebnisse. So laufen – in Abhängigkeit von den jahreszeitlichen Bedingungen – auch weiterhin dynamische Prozesse in der Natur ab, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Kraniche auf ihrem Zug nach Süden

Der Zug der Kraniche
Schon lange haben die Kraniche ihre Brutreviere in Skandinavien und dem Baltikum verlassen und sammeln sich nun in sehr großen Stückzahlen (über 200.000 Individuen) in Ost- und Norddeutschland. Von dort aus starten sie ihren Flug in die (meist spanischen oder nordafrikanischen) Winterquartiere, sofern es die Wetterbedingungen erfordern. Eine besondere Rolle spielt dabei der Wind bzw. die Windrichtung. Glücklicherweise liegt gerade unser Hessenland in einem Bereich, der jährlich von tausenden dieser eindrucksvollen Vögel überflogen wird. Mit ihren trompetenartigen Rufen und ihrer typischen Keilformation im Flug bieten sie uns ein ganz besonderes Spektakel und Naturschauspiel. Ein Blick zum Himmel kann sich daher auch im November lohnen.

Ein herbstlicher Rotbuchenwald

Wälder im Farbenrausch
Ausgesprochen bunt und farbenfroh zeigen sich nun unsere Laub(misch)wälder. Ende Oktober bis hinein in den November können wir den Höhepunkt der jährlichen Blattverfärbung beobachten. Gerade die in Hessen häufig vorkommenden Buchenwälder bieten eine beeindruckende Farbpalette mit unterschiedlichen Grün-, Gelb-, Braun- und Rottönen. Durch die fein nuancierten Farbabstufungen entstehen – in Abhängigkeit vom Lichteinfall – optische Eindrücke der Extraklasse. Die auch noch vorhandenen Waldfrüchte tragen zusätzlich zu dem Farbspektrum bei. Allein dies ist schon ein Grund für einen Waldspaziergang im November.

Eichhörnchen bei der Nahrungssuche

Tierische Sammler
Wenn im Spätherbst die Blätter von den Bäumen und Sträuchern fallen, schwinden auch die Deckungsmöglichkeiten vieler Tiere. In Wäldern, Feldgehölzen und Hecken können nun vermehrt Vögel und Säugetiere bei der Nahrungssuche beobachtet werden. Igel etwa sind Winterschläfer und benötigen einen Fettvorrat, um den Winter in ihren Unterschlüpfen überstehen zu können. Anders verhält es sich z. B. bei Eichhörnchen, die als „Winterruher‟ Nahrungsvorräte anlegen und sich in der kalten Jahreszeit immer wieder daran bedienen. So machen es auch Eichelhäher und Mäuse, die selbst in den Wintermonaten ständig aktiv sind.

Weibliches Reh in der Winterfärbung

Im Wald sieht man jetzt auch öfter die nun grau gefärbten Rehe oder vielleicht sogar eine Wildschweinrotte bei der Nahrungssuche. Ein Fernglas ist dabei sehr hilfreich und sollte bei den herbstlichen Naturexkursionen nicht fehlen.

Feder eines Mäusebussards

Spuren in der Natur
Neben den eigentlichen Tierspuren (Fußabdrücke) finden wir in der nun zunehmend kahler werdenden Natur viele weitere Spuren und Zeichen, die uns vor allem die Tiere hinterlassen haben. Auch dadurch können wir Erkenntnisse über das vorhandene Artenspektrum bekommen. So entdecken wir vielleicht eine sog. „Spechtschmiede‟, etwa eine Astgabel, in die der Buntspecht Nadelholzzapfen einklemmt, um so leichter an die enthaltenen Samen zu gelangen. Am Boden finden wir möglicherweise die Feder eines Greifvogels oder auch eine ganze Rupfung, wo der Habicht eine Ringeltaube vor dem Verzehr gerupft hat.

Pilzfruchtkörper an Totholz

Sichtbar werden nun auch diverse Baumhöhlen und Vogelnester, die zuvor von den Blättern verdeckt wurden. Nicht nur auf dem Waldboden, sondern auch an Bäumen (meist an liegendem, aber auch an stehendem Totholz) erkennen wir die unterschiedlichsten Pilzfruchtkörper als äußere Zeichen der Zersetzung des organischen Materials.

Auch an Seen, Teichen und den Fließgewässern sind noch diverse Arten, meist Vögel, aktiv. Graureiher, Eisvogel und Enten sind hier zu nennen, aber auch Durchzügler kann man jetzt dort antreffen.

Diese wenigen Beispiele mögen dazu anregen, auch im „Nebelmonat‟ unsere heimische Natur zu erkunden und zu erleben.


Literatur

Kremer, B. 1990
Naturspaziergang Wald
Franckh, Stuttgart

Svensson, L. et al, 1999
Der neu Kosmos Vogelführer
Franckh-Kosmos, Stuttgart

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub