Naturschutz-Akademie Hessen

Naturschutz-Info


100 Äcker für die Vielfalt

Ein Netz von Schutzäckern in Deutschland ist das Ziel eines bundesweiten Projektes, um dem drastischen Artenschwund der Ackerwildkräuter zu begegnen. Die Aktion wird von mehreren Partnern getragen und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Auf mindestens 100 „Schutzäckern“ soll in den verschiedenen Naturräumen Deutschlands die Erhaltung der typischen Ackerwildkrautgesellschaften sichergestellt werden.

Hintergrund ist der drastische Rückgang der Ackerwildkräuter durch die intensive Landbewirtschaftung und den Einsatz von Herbiziden. Aber auch (subventionierte) „Flächen-Stilllegungen“ und die damit verbundene Verbrachung führten zum Artenschwund, weil sich der Konkurrenzdruck durch die einsetzende Sukzession erhöhte. Dies hatte zur Folge, dass zahlreiche Arten, die seit Jahrhunderten zum festen Bestandteil der Ackerbegleitflora zählten, heute in den „Roten Listen“ geführt werden.

Dazu zählen etwa Sommer-Adonisröschen, Echter Frauenspiegel, Acker-Hahnenfuß oder der Venuskamm, um nur einige zu nennen. Andere Arten, wie Mohn, Kornblume und Kamille, sind zwar derzeit noch nicht gefährdet, aber durchaus seltener anzutreffen als früher.

Weitere Informationen zu dem Projekt, zu den Partnern und Veranstaltungen erhalten Sie hier.

Fotos


2008 - das Jahr des Frosches

Die Welt-Naturschutzunion (IUCN) und der Weltverband für Zoologische Gärten und Aquarien (WAZA) haben das Jahr 2008 zum „Jahr des Frosches“ (Year of the frog) ausgerufen.
Hintergrund ist der seit einigen Jahren weltweit zu beobachtende massive Rückgang von Amphibienarten. Mit einer internationalen Kampagne soll das Bewusstsein der Menschen für den drastischen Artenschwund geweckt werden. Hauptziele dieser Kampagne sind u. a.:

- Verpflichtung der Öffentlichkeit zum Schutz der Amphibien durch finanzielle Unterstützung
- Förderung des Bewusstseins für den Schutz der biologischen Vielfalt durch Amphibienschutz
- weltweite Zusammenarbeit von Zoos, Privatpersonen und öffentlichen Institutionen, um das Überleben der Amphibien zu sichern
- Beschaffung finanzieller Mittel, um „Ex-situ-Projekte“ durchzuführen (Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt außerhalb des eigentlichen Lebensraumes einer Art, beispielsweise Gendatenbanken, Botanische Gärten oder Zoologische Gärten)
- Aufzeigen von Möglichkeiten, welche Beiträge die Öffentlichkeit im täglichen Leben für den Artenschutz leisten kann

Für den Schwund der Amphibienarten sind mehrere Faktoren verantwortlich. In tropischen Gebieten zeigen sich häufig Pilzinfektionen mit dem Chytridpilz, welcher die Haut von Amphibien befällt, worauf diese sterben. Die Wirkung des Pilzes ist dabei noch nicht restlos geklärt.
In unseren Breiten ist meist die Zerstörung von Lebensräumen und Wanderwegen der Lurche Schuld an ihrem Rückgang. Gerade jetzt, wo wieder die Frühjahrswanderung der Amphibien bevorsteht, sollten wir an diese Gefahren denken und den „Fröschen“ helfen. Dafür bieten sich beispielsweise folgende Möglichkeiten an:

- aktive Mitarbeit in einer örtlichen Naturschutzgruppe
- finanzielle Unterstützung geeigneter Verbände
- Anlage eines Naturgartens

Stellvertretend für die schlechte Situation der Amphibien, hat die „Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde“ (DGHT) den Laubfrosch zum „Lurch des Jahres 2008“ gewählt.

Fotos


Die Kastanienminiermotte

Schmetterlinge müssen nicht immer Sympathieträger sein. So gibt es einige Arten, die Schäden an unseren Bäumen verursachen. Dazu zählt die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella), ein Kleinschmetterling, der in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts erstmals in Mazedonien aufgetreten ist. Seitdem breitet sich die Art weiter über Europa aus und hat etwa um die Jahrtausendwende auch Deutschland erreicht.

Wie schon sein Name andeutet, hat der Schmetterling einen bevorzugten Wirtsbaum, nämlich die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), wobei nur die weißblühende Art befallen wird. Insbesondere im Siedlungsbereich ist der Baum sehr beliebt, etwa in einer Allee oder auch als markanter Solitär an einem besonderen Platz, wozu nicht zuletzt die auffälligen Blüten und Früchte beitragen. Im Jahre 2005 war die Rosskastanie „Baum des Jahres“. Aus ihren Samen wird ein Wirkstoff (Aescin) gewonnen, der gegen Venenleiden hilft. Ganz aktuell wurde die Rosskastanie zur „Arzneipflanze des Jahres 2008“ gewählt.

Den Schaden verursacht übrigens nicht der ausgewachsene Schmetterling, sondern seine Larve. Sie frisst Gänge – sog. „Minen“ (Name!) in die Kastanienblätter, worauf jene sich braun verfärben und schließlich vorzeitig abfallen. Dies bewirkt ein Verlust von Assimilationspotenzial und schwächt den Baum, der damit auch insgesamt anfälliger für weitere Erkrankungen wird.

Entwicklungszyklus:
In Abhängigkeit von der Temperatur fliegen die Motten bereits ab April (meist ab Mai) unter den Kastanien. Weitere Flugperioden liegen im Juli und September. In einem Jahr können mehrere Generationen der Miniermotte auftreten.
Die Eiablage erfolgt auf der Blattoberseite (es können bis zu 300 Eier pro Blatt sein). Nach ca. 2 Wochen schlüpfen die Larven und beginnen mit ihrem „Minierfraß“, der etwa 3 – 4 Wochen dauert. Danach folgt die Verpuppung in einem Kokon in der Blattmine. Bei der Frühjahrs- und ersten Sommergeneration dauert diese Phase etwa 3 Wochen, ehe dann die fertigen Schmetterlinge schlüpfen. Die Puppen der Spätsommer- bzw. Herbstgeneration fallen hingegen mit den Blättern ab und überwintern im Laub und der oberen Bodenstreu, bevor sie im nächsten Frühjahr schlüpfen und somit die erste Faltergeneration des neuen Jahres bilden.

Aus dem Entwicklungszyklus der Kastanien-Miniermotte lässt sich somit auch eine Bekämpfungsstrategie ableiten. Diese besteht in der Entfernung des Laubes befallener Kastanien. Das Laub wird am besten kompostiert, wobei es mit einer - mindestens 10 cm starken - Erdschicht abgedeckt werden muss. Alternativ kann das Laub auch in der Erde vergraben werden.

Die Motte werden wir vermutlich nicht mehr los, andererseits wird sie kaum in der Lage sein, unsere Kastanien auszurotten. Dennoch sollten wir den Bäumen helfen, wenn es geboten erscheint.

Fotos

Der Zunderschwamm

Zunderschwamm an liegendem Totholz

Der Herbst ist die Zeit der Pilze. Viele denken dabei zunächst an Pfifferling, Steinpilz und die übrigen köstlichen Speisepilze. Allerdings gibt es noch andere Pilze, die zwar nicht in der Pfanne landen (sollten), aber dennoch recht bemerkenswert sind.
Ein solcher Vertreter ist der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) aus der Familie der Porlinge. Sehr auffällig sind seine Fruchtkörper in Form einer auf dem Kopf stehenden Konsole. Diese Fruchtköper finden wir in unseren Breiten meist an der Rinde von Buchen. Befallen werden aber auch andere Laubbaumarten (Birke, Erle, Pappel, Weide …).
Beim Zunderschwamm handelt es sich um einen holzzersetzenden Parasiten, der vorwiegend ältere, geschwächte und tote Bäume besiedelt, aber auch durch Rindenwunden in den Stamm gesunder Bäume eindringen kann. Der Pilz ernährt sich von Kohlenhydraten, Zellulose und dem Lignin (ein organischer Stoff, der die Verholzung der Zellen bewirkt). In den Stämmen und Ästen verursacht er eine Weißfäule. Der eigentliche Pilz ist nicht der Fruchtkörper, den wir an den Bäumen sehen, sondern ein Myzel im Inneren des Holzes. In den Fruchtkörpern bilden sich hingegen die Sporen (Samen), die in unvorstellbar großer Zahl mit dem Wind verbreitet werden.
Schon in der Jungsteinzeit wurde aus dem „Fleisch“ des Fruchtkörpers (Trama) Zunder gewonnen, womit sich ein Feuer entfachen ließ („ …brennt wie Zunder“). Unsere Vorfahren nutzten den Zunder aber auch als vielseitigen Rohstoff für die Herstellung von Textilien und weiteren Dingen des täglichen Lebens.
Bereits im Jahre 1995 hatte die „Deutsche Gesellschaft für Mykologie“ (DGfM) den Zunderschwamm zum „Pilz des Jahres“ ernannt. Damit wollte die DGfM auch den Lebensraum des Pilzes würdigen, den Buchenwald, der ebenfalls 1995 vom BUND zum „Biotop des Jahres“ ausgerufen wurde. Insbesondere die alten Buchenwälder mit Totholzanteil sind wertvolle Lebensräume für zahlreiche Arten – eine davon ist der Zunderschwamm.

Fotos

Igel im Garten

Igel auf nächtlichem Streifzug

Auch wenn er überwiegend in der Dämmerung und Nacht aktiv ist, kennt ihn jeder und viele Besitzer eines naturnahen Gartens sehen ihn regelmäßig. Wir reden vom Igel, der durch seine äußere Erscheinung und seine Verhaltensweisen zu den Sympathieträgern im heimischen Tierreich zählt.

Jetzt – im Herbst – sind die stacheligen Gesellen (teilweise auch tagsüber) eifrig mit der Nahrungssuche beschäftigt, um für die Wintermonate die notwendigen Fettreserven anlegen zu können. Unser einheimischer Igel, der Braunbrust-Igel (Erinaceus europaeus) zählt zur Ordnung der Insektenfresser, der beispielsweise auch die Spitzmäuse angehören. Seine Nahrung besteht aus Insekten (Käfer, Heuschrecken, Falter …) und deren Entwicklungsstufen. Aber auch Würmer, Schnecken und Spinnen werden sehr gerne verzehrt.

Igel sind Winterschläfer, die sich ab November in ein geeignetes Quartier zurückziehen, um die kalte Jahreszeit mit stark reduzierten Körperfunktionen überstehen zu können. Dafür bevorzugen sie Laub-, Reisig- und Komposthaufen. Aber auch andere Verstecke, etwa Holzlager oder Steinanhäufungen, werden aufgesucht.
Entgegen einer weit verbreiteten Meinung überstehen Igel den Winter auch ohne die Hilfe des Menschen. Dies trifft durchaus auch auf kleinere Jungtiere zu. Igel sind Wildtiere und keine (temporären) Hausgenossen.

Dennoch kann insbesondere der Gartenbesitzer einiges tun, um die Lebensbedingungen unserer Igel zu verbessern. Hier eine Auswahl:

- Verwendung einheimischer Bäume und Sträucher, die z. B. für die Beutetiere des Igels wichtig sind.
- Verzicht auf Kurzschnittrasen.
- Schaffung von Winterquartieren durch Anhäufung von Reisig- und Laubhaufen oder auch durch den Bau eines Igelhäuschens.
- Sicherung von Lichtschächten, steilen Gartenteichufern und anderen Gefahrenquellen
- Verzicht auf Insektizide, Herbizide und Schneckenkorn.

Für den Igel haben diese Maßnahmen natürlich nur dann Sinn, wenn er den „Igelgarten“ auch betreten kann und nicht durch einen engmaschigen Zaun ausgesperrt bleibt.

Sehr viele Igel kommen durch den Autoverkehr auf der Straße ums Leben, wenn sie dort in der Nacht auf Beutefang gehen. Auch eine umsichtige Fahrweise kann daher ein Beitrag zum Igelschutz sein – selbst für Menschen, die keinen Garten besitzen.

Fotos

Wohin mit dem Laub?

Jetzt im Herbst beginnt wieder die Zeit, in der Gartenfreunde eine besonders emsige Aktivität entwickeln. Beete werden abgeräumt, Früchte werden geerntet und Hecken werden geschnitten. Diese Arbeiten sind jedoch harmlos im Vergleich mit einer weiteren jahreszeittypischen Betriebsamkeit: dem Kampf mit dem Laub!
Da wird nun wochenlang das Laub der Bäume und Sträucher gerecht und mühsam aus dem Garten entfernt. Man will ja schließlich ein sauberes und aufgeräumtes Grundstück zum Abschluss der Gartensaison hinterlassen.

Doch es gibt bessere Alternativen, wenn wir uns am Vorbild der Natur orientieren. So ist das Herbstlaub ein wichtiger Faktor im Stoffkreislauf von Waldökosystemen. Hier sind ganze Heerscharen von Zersetzern und Mikroorganismen damit beschäftigt, die Blätter und weitere Biomasse in pflanzenverwertbare Nährstoffe umzuwandeln. Überdies schützt die Laubschicht den Boden und bietet zahllosen Kleinlebewesen einen Lebensraum.

Durch den Ordnungssinn und Sauberkeitswahn vieler Gartenbesitzer werden den Gärten weit mehr Nährstoffe entzogen als wieder zugeführt. Wenn wir also das Laub im Garten belassen, können wir diesen Verlust - zumindest teilweise - wieder kompensieren. Überdies profitieren u. a. Igel, Insekten und Vögel von Laub- und Reisighaufen. So kann man das Laub zusammenrechen und unter Sträuchern, Hecken und Bäumen, die sich ja meist in den Randbereichen befinden, verteilen. Für diese Arbeit braucht man übrigens weder Laubgebläse noch Laubsauger – ein einfacher Fächerrechen genügt vollkommen und ist dabei äußerst umweltschonend!

Die eingangs gestellte Frage lässt sich also leicht beantworten: Lassen Sie das Laub Ihrer Bäume und Sträucher einfach dort, wo es anfällt – im Garten!

Fotos

Allergie-Gefahr durch Beifuß-Ambrosie

Nach der Herkulesstaude (Riesen-Bärenklau) besiedelt nun eine weitere „Problempflanze“ unser Land, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Menschen führen kann. Die Rede ist vom „Beifußblättrigen Traubenkraut“ (Ambrosia artemisiifolia), auch unter den Namen „Beifuß-Ambrosie“, „Ambrosia“ oder „Traubenkraut“ bekannt.

Die Samen der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Pflanze wurden mit dem internationalen Warenverkehr eingeschleppt, v. a. mit landwirtschaftlichen Saatgutmischungen und Futtermitteln. Der Ambrosia-Samen kann über Jahrzehnte seine Keimfähigkeit behalten und bei entsprechenden Bedingungen vom Frühjahr bis in den Sommer keimen. Weil der Samen häufig dem käuflichen Vogelfutter beigemischt ist, findet sich die Pflanze nicht nur in Außenbereichen, sondern auch in privaten Gärten. Die feuchtigkeitsliebende, einjährige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 2 m. Besonders in der sommerlichen Wachstumsphase ist sie auf reichliche Niederschläge angewiesen – der Sommer 2007 dürfte also ihr Wachstum begünstigt haben. Ihr deutscher Name weist auf eine gewisse Ähnlichkeit mit unserem einheimischen „Beifuß“ (Artemisia vulgaris) hin.

Wie die bereits erwähnte „Herkulesstaude“ ist auch das „Beifußblättrige Traubenkraut“ ein sog. „invasiver Neophyt“. Damit sind gebietsfremde Pflanzen gemeint, die sich massiv ausbreiten können, weil ihre natürlichen Feinde fehlen.

Vor allem durch ihre – massenhaft produzierten - Pollen, aber auch durch den direkten Hautkontakt kann die Pflanze heftige Allergien und Hautreaktionen beim Menschen auslösen.

In der Naturschutz-Akademie Hessen findet am 6. September 2007 eine Veranstaltung zur „Beifuß-Ambrosie“ statt, bei der sich Gesundheitsämter und Naturschutzbehörden über den aktuellen Stand informieren können. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf dieser Internetseite.

Hessisches Hirschkäfer-Beobachternetz

Unter der Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger baut Hessen-Forst ein neues Netzwerk mit ehrenamtlichen Hirschkäferbeobachtern auf. Schon im Jahre 2005 hatte der Fachbereich Naturschutz von Hessen-Forst in diversen Medien dazu aufgerufen, Beobachtungen und Funde von Hirschkäfern zu melden. Über 1000 Rückmeldungen gingen seinerzeit ein, die wichtige Hinweise auf die Verbreitung der Art lieferten.

Nun sollen die landesweiten Hirschkäfervorkommen weiter dokumentiert werden, um den Bestand der seltenen Art langfristig zu sichern. Dazu können interessierte Bürgerinnen und Bürger in ein Meldenetz aufgenommen werden, um Infos zu erhalten oder auch Funde zu melden. Auch wer nicht in dieses Meldenetz aufgenommen werden möchte, kann dennoch seine Sichtungen weitergeben (siehe Kontaktdaten).

Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) ist einer der größten Käfer Europas. Insbesondere die Männchen sind durch die geweihartig verlängerten Oberkiefer leicht zu bestimmen. Während die männlichen Tiere bis zu 75 mm lang werden, sind die („geweihlosen“) Weibchen mit etwa 40 mm deutlich kleiner. Bevorzugter Lebensraum der Hirschkäfer sind Eichenwälder mit Totholzanteilen. Insbesondere in modernden Stubben entwickeln sich die Larven, ehe sie sich in Erdreich verpuppen und schließlich als fertige Käfer schlüpfen. Während das Larvenstadium bis zu 5 Jahre (!) dauern kann, ist das Leben des eigentlichen Käfers recht kurz. Nach dem Schlüpfen im Herbst lebt der Käfer unterirdisch, bevor er im nächsten Frühsommer den Boden verlässt, um sich zu verpaaren. Schon im August ist das Käferleben beendet. Erwachsene Tiere ernähren sich ausschließlich von Baumsäften.

Aufgrund seiner Seltenheit wurde der Hirschkäfer in den Anhang II der FFH-Richtlinie gesetzt. Die Rote Liste der Blatthorn- und Hirschkäfer Hessens weist ihn als „gefährdet“ aus und in der Roten Liste Deutschlands wird er als „stark gefährdet“ aufgeführt.

Kontaktdaten für die Aufnahme in das Meldenetz bzw. für die Weitergabe einer Hirschkäfersichtung:

Telefon: 0641/4991-259
E-Mail: naturschutzdaten@forst.hessen.de

Fotos

Die Vogelbeere - eine Pionierbaumart

Jetzt ist wieder die Zeit, in der die Vogelbeere ihre auffallenden roten Früchte trägt und damit ihren Beitrag zur Landschaftsästhetik im Spätsommer leistet.

Der Baum mit dem wissenschaftlichen Namen Sorbus aucuparia L. wird auch Eberesche genannt. Zur Gattung „Sorbus“ zählen u. a. auch die Mehlbeere und zwei weitere sehr interessante und seltene Baumarten, nämlich der Speierling und die Elsbeere.

Die Vogelbeere ist ein mittelgroßer Baum, der eine Höhe von 15 - 18 m erreichen kann und kaum älter als 80 Jahre wird. Die recht großen, weißen Blütenstände zeigen sich im Mai und Juni und die Fruchtreife fällt in die Monate August und September.
Der Baum gilt als ausgesprochen anspruchslos hinsichtlich seiner Standortbedingungen, wenn man von dem hohen Lichtbedarf einmal absieht. So ist die Baumart auch weit verbreitet und in der Lage, extreme Standorte bis hin zur Baumgrenze zu besiedeln. Diese Eigenschaften und die Art der Samenverbreitung durch Vögel (und Säugetiere) machen die Vogelbeere zu einer klassischen Pionierbaumart, die etwa Brachflächen erobern kann.

Während der Baum im forstlichen Wirtschaftswald eine eher untergeordnete Rolle spielt, ist seine ökologische Bedeutung beachtlich. So bietet er zahlreichen Vogel-, Insekten- und Säugetierarten eine wichtige Nahrungsquelle, wobei nicht nur die roten Früchte begehrt sind, sondern auch Triebe, Blätter und Knospen.

Die Vitamin-C-reichen Früchte sind im rohen Zustand für den Menschen ungenießbar. Abgekocht können sie jedoch verzehrt werden, allerdings ist das Vitamin C dann weitgehend zerstört.

Die Vogelbeere ist auch ein idealer Baum für mittelgroße und größere Gärten. Sie wird nicht zu hoch, ist anspruchslos und ihr Laub wird rasch zersetzt. Sie ist relativ unempfindlich gegen Klimaextreme und für viele einheimische Tierarten sehr wertvoll. Mit ihrer schönen Blüte, den herrlichen Früchten und ihren zahlreichen tierischen Besuchern wird sie den naturverbundenen Gartenbesitzer belohnen.

Fotos

Richtiger Umgang mit Wespen

Sommerzeit: Essen und Trinken im Freien genießen. Das Grillfest im Garten, die Kaffeetafel auf dem Balkon oder die Limonade am Pool – was gibt es Schöneres? Doch Grillsteak, Apfelkuchen und süße Getränke locken auch Wespen an, von denen wir uns mitunter belästigt fühlen.
Dennoch sollten wir beim Besuch der schwarz-gelben Hautflügler Ruhe bewahren und durch richtiges Verhalten Konfrontationen vermeiden. Nur zwei von acht staatenbildenden „typischen“ Wespenarten können überhaupt lästig werden. Dies sind die „Deutsche Wespe“ und die „Gemeine Wespe“. Für die Aggressionsbereitschaft ist der Ort der Begegnung von entscheidender Bedeutung. Vorsicht ist im Nestbereich geboten (etwa 2 – 3 m im Umfeld des Nestes). Hier verteidigen die Wespen ihr Volk mit der Königin entschlossen gegen (vermeintliche) Angreifer. Anders ist die Situation bei der Nahrungssuche – in der Regel ist dies die Begegnung am Esstisch. Hier sind keine Angriffe der Wespen zu befürchten. Ein Einzeltier kann jedoch stechen, wenn es sich durch Festhalten, Einklemmen oder einen Angriff bedroht fühlt.
Um Konflikte zu vermeiden, haben sich u. a. die folgenden allgemeinen Verhaltensregeln bewährt:
- vom Nestbereich einen Sicherheitsabstand von 2 – 3 m einhalten
- nicht hektisch nach den Tieren schlagen
- süße Speisen und Getränke sowie Fleisch abdecken
- Vorsicht bei süßen Getränken in Dosen und Flaschen (Strohhalm verwenden)
- nicht barfuss über Gras oder Rasen laufen (hilft übrigens auch gegen Bienenstiche)
- besonders auf Kinder achten
- technische Maßnahmen (etwa Anbringen von Fliegengittern)

Weitere Informationen zu richtigen Verhaltensweisen bietet Ihnen unser Merkblatt
Auch Wespen wollen leben“. (Anmerkung: Der im Merkblatt angesprochene Bestimmungsschlüssel für Wespen ist derzeit nicht verfügbar.)

Sofern die Umsiedlung eines Wespennestes notwendig sein sollte (etwa im direkten Wohnbereich), können die Feuerwehr oder auch autorisierte Experten helfen. Eine Datenbank mit diesen Umsiedlungs-Experten finden Sie hier.

Achtung, Zecken!

Mit steigenden Temperaturen in dem sehr zeitig einsetzenden Frühling ist auch wieder ein Parasit aktiv geworden, der für Menschen sehr gefährlich werden kann. Die Rede ist von der Zecke - auch Holzbock genannt – (Ixodes ricinus), die es auf das Blut ihrer Wirte abgesehen hat.
Gefährdet sind vor allem Menschen die sich beruflich oder auch in ihrer Freizeit in der Natur aufhalten. Insbesondere im Wald (auch an Wald- und Wegrändern), aber auch in Hecken, Gärten, Parkanlagen und Wiesen sitzen die Zecken in den unteren Vegetationsbereichen und warten dort auf einen geeigneten Wirt. Kommt nun ein Mensch oder ein Tier vorbei, lassen sich die Zecken - angelockt durch den Geruch ihrer Wirte - abstreifen und suchen sich eine geeignete Körperstelle zum Blutsaugen. Dies sind häufig feuchtwarme und gut durchblutete Partien (Achselhöhle, Kniekehlen, Genitalbereich …). Der Zeckenstich ist schmerzlos und somit nicht wahrnehmbar.

Durch Zecken können zwei gefährliche Krankheiten übertragen werden:

Die Lyme-Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, die u. a. zu Lähmungen und Hirnhautentzündungen führen kann, ist in ganz Europa und darüber hinaus verbreitet. Anzeichen für die Erkrankung sind eine ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle und grippeähnliche Symptome (Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit …). Bei diesen Anzeichen, die einige Tage nach dem Stich, aber auch erst nach Wochen, auftreten können, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Bei der Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) handelt es sich um eine Viruserkrankung, die vor allem das Gehirn und Nervensystem schädigen kann. Die Symptome sind – mit Ausnahme der ringförmigen Hautrötung – denen der Lyme-Borreliose ähnlich. Auch hier sollte ein Arzt konsultiert werden. Die FSME ist nicht flächenhaft verbreitet, sondern tritt in gewissen Risikogebieten auf, die hauptsächlich im Süden Deutschlands liegen. Genaue Auskünfte erteilen die Gesundheitsämter. Gegen die FSME ist eine vorbeugende Schutzimpfung möglich.

Geeignete vorbeugende Maßnahmen:

- Nach dem Aufenthalt im Freien den Körper gründlich absuchen; häufig laufen die Zecken noch auf der Haut und können so leicht entfernt werden.
- Möglichst geschlossene, helle Kleidung und festes Schuhwerk tragen (auch die Kleidung absuchen).
- Eventuell helfen auch entsprechende zeckenabweisende Hautschutzmittel.
- In Risikogebieten Impfung gegen FSME.

Sollte sich bereits eine Zecke festgebissen haben, muss diese möglichst bald entfernt werden (zumindest das Borreliose-Risiko wird dadurch geringer). Zur Technik der Zecken-Entfernung geben wir bewusst keine Hinweise. Wir raten zum Arztbesuch.

Übrigens sind Zecken keine Insekten! Sie gehören zur Klasse der Spinnentiere (Ordnung Milben), was auch an ihren 8 Beinen zu erkennen ist.

Fotos: Zecken

Die Stunde der Gartenvögel

Vom 11. bis 13. Mai 2007 lädt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V. wieder zur „Stunde der Gartenvögel“. Bei der Aktion geht es darum, an dem o. g. Wochenende innerhalb einer beliebigen Stunde alle Vögel zu zählen, die man im Garten entdecken kann. Bis zum 19. Mai 2007 können die Ergebnisse dann über das Internet, postalisch oder auch telefonisch an den NABU übermittelt werden. Mitmachen darf jeder. Wer keinen eigenen Garten besitzt, kann auch einen Park oder eine sonstige Grünanlage für seine Beobachtungen nutzen.
Der NABU verlost unter den Teilnehmern über 100 Preise. Die Aktion macht Spaß und liefert wichtige Erkenntnisse über unsere heimische Vogelwelt!

Weitere Informationen und auch einen Beobachtungsbogen erhalten Sie auf der Internetseite des NABU (www.stunde-der-gartenvoegel.de)

Das Taubenschwänzchen - ein Kolibri im Garten

Mit hektischem Schwirrflug eilt ein etwa hummelgroßes Tier von Blüte zu Blüte, um mit seinem langen Saugrüssel Nektar aufzunehmen. Sollte dies etwa ein Kolibri sein, der sich nach Deutschland verirrt hat? Solche Beobachtungen häufen sich nun wieder im Garten, wenn das Taubenschwänzchen auf Nahrungssuche ist und die Blüten unserer Garten(Zier-)pflanzen besucht. Besonders Geranien, Petunien und Phlox, aber auch Sommerflieder (Buddleja davidii) und andere blühende Pflanzen werden bevorzugt.
Bei dem vermeintlichen Kolibri handelt es sich um einen Schmetterling aus der Familie der Schwärmer (Sphingidae). Das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) ist eigentlich in Südeuropa (Mittelmeergebiet) beheimatet. Besonders in wärmeren Sommern tauchen die Wanderfalter vereinzelt auch bei uns auf. Die sehr fluggewandten Tiere haben dann die Alpen überquert und nicht selten eine Strecke von bis zu 2.000 km zurückgelegt. Im Gegensatz zu anderen Schwärmern sind Taubenschwänzchen tagaktiv und fliegen sogar in der Mittagshitze. Raupenfutterpflanzen sind Labkräuter (Wiesen-Labkraut, Echtes Labkraut). Nur der fertig ausgebildete Schmetterling überwintert. Da er aber keinen Frost verträgt, können sich in unseren Breiten keine festen Populationen entwickeln.
In der Tat ähneln sowohl der Schwirrflug des Tieres als auch sein gesamter Habitus durchaus einem Kolibri. Bei der sehr energiezehrenden Nahrungsaufnahme steht das Taubenschwänzchen vor jeder Blüte - ohne sich auf dieser niederzulassen - nur kurz in der Luft, um sich mit dem etwa drei cm langen Saugrüssel den Nektar zu holen. Auch die Gestalt des Falters ist „kolibriähnlich“. So erinnern der Saugrüssel beim schnellen Hinschauen an einen Schnabel und der Hinterleib (Abdomen) mit den schwarz-weißen Schuppen an den befiederten Schwanz eines Vogels. Sogar die Körpergröße des Schmetterlings ist annähernd vergleichbar mit jener, welche die kleinsten Kolibriarten aufweisen. Recht treffend wird das Taubenschwänzchen deshalb auch als „Kolibrischwärmer“ bezeichnet.

Literatur:
Dierl, W. & Ring, W. (1988)
Insekten Mitteleuropäische Arten Merkmale, Vorkommen, Biologie.
München; Wien; Zürich: BLV Verlagsgesellschaft

Lohmann, L. (1993)
Schmetterlinge bestimmen auf einen Blick.
München; Wien; Zürich: BLV Verlagsgesellschaft

Lebende Zäune - Tipps zur Gartengestaltung

Im Frühjahr denkt so mancher Gartenbesitzer über eine Neuanlage oder Umgestaltung seines Gartens nach. In unserem Praxis-Tipp geben wir Ihnen Hinweise zu einer naturnahen Randgestaltung Ihres Gartens mit einheimischen Bäumen und Sträuchern. Bei Verwendung dieser Arten leisten Sie – auch im Siedlungsbereich – einen wichtigen Beitrag für unsere Tierwelt.
Bäume, Sträucher und Hecken sind häufig prägende Elemente eines Gartens, die auch vorzugsweise für die Randgestaltung an der Grundstücksgrenze verwendet werden. Hier sorgen sie für Sicht-, Lärm- und Staubschutz und nicht zuletzt für eine markante optische Komponente.
Trotz einer vielleicht gut gemeinten Absicht des Gartenbesitzers bietet sich vielerorts das gleiche Bild in den Siedlungsbereichen. Stehen hier einerseits doch häufig Thuja, Omorika- oder Blaufichten in Reih und Glied, während andere Gärten durch grellfarbige Exoten oder Arten mit bizarren Wuchsformen auffallen. Rein optisch entsteht so entweder ein Friedhofscharakter oder aber eine unnatürliche Farbzusammensetzung. Schlimmer jedoch ist die Tatsache, dass derartige Pflanzen für unsere heimische Tierwelt nahezu wertlos sind. Aus diesen Gründen sollten Gartenbesitzer besser lebende Zäune aus heimischen Gehölzen anlegen.
Mehr erfahren Sie in unserem Merkblatt „Lebende Zäune – Zäune des Lebens“.

Schmetterlingspflanzen im eigenen Garten

Unübersehbar ist der Rückgang von Schmetterlingen und Hummeln in unserer Landschaft. Nur die "Allerweltsarten" können überleben. Vielen Menschen fällt dieser Artenschwund überhaupt nicht auf, andere beklagen ihn und möchten aktiv etwas dagegen tun.
Die Gründe für das Verschwinden sind unterschiedlich. Häufig werden die Lebensräume und Nahrungspflanzen der Falter und Hummeln durch Siedlungsaktivitäten, Straßenbau, Umwandlung von Wiesen in Äcker, Einsatz von Insektiziden und auch durch eine übertriebene Ordnungsliebe von Gartenbesitzern zerstört.
Auch wenn es schier aussichtslos ist, gegen all diese Umweltprobleme anzugehen, kann jeder einzelne Gartenbesitzer einen kleinen Beitrag zum Schutz und zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. Die Freude an einem bunten Falter oder die Hilfe bei der Bestäubung der Obstbäume sollte Lohn genug sein.
Weitere Anregungen und Listen geeigneter Gartenpflanzen finden Sie in unserem Merkblatt „Hummel- und Schmetterlingspflanzen für den Garten“

Winterfütterung der Vögel?

Frostige Temperaturen und Schneelage wecken bei zahlreichen Menschen das Bedürfnis, unsere Singvögel im Winter zu füttern. Viele erfreuen sich am regen Betrieb, der rund um das Fütterhäuschen herrscht. Andere möchten möglichst viele Arten beobachten oder auch entdecken.
Diese Winterfütterung ist aber keineswegs unumstritten und wird daher auch durchaus kontrovers diskutiert. Die Befürworter sehen in ihr eine ethisch-moralische Verpflichtung gegenüber unseren gefiederten Mitgeschöpfen. Als unverantwortlichen Eingriff in die natürlichen Selektionsmechanismen der Natur lehnen sie die Gegner strikt ab. Sicher kann man die Argumente beider Parteien nachvollziehen, so dass es nicht leicht ist, einheitliche Regeln zu definieren. Dennoch soll hier versucht werden, den Natur- und Vogelfreunden ein paar Informationen zur Winterfütterung der Vögel zu geben.

1) Insbesondere der Gartenbesitzer hat viele Möglichkeiten, unseren (Sing-)Vögeln zu helfen – auch ohne die klassische Winterfütterung. Ein naturnaher Garten mit einheimischen Bäumen und Sträuchern ist für viele Vogelarten ein wertvoller Lebensraum, der Nahrung, Schutz und Brutmöglichkeiten bietet. Bis in den Winter hinein finden die Vögel hier Obst, Beeren, verschiedene Sämereien und Nahrungstiere (etwa unter dem Laub, in Rindenritzen oder in totem Holz). Dazu ist natürlich das entsprechende „Inventar“ (Bäume, Sträucher, Wildkräuter, Totholz …) und der Verzicht auf den Einsatz von Bioziden erforderlich.

2) Unabhängig von den Eingangs beschriebenen Grundeinstellungen zur Winterfütterung, kann diese aber auch durchaus positive Effekte haben. So eignet sie sich recht gut, um gerade Kinder an die Natur heranzuführen und Artenkenntnisse zu vermitteln. Bei der meist sehr nahen Distanz sind die verschiedenen Vogelarten gut zu beobachten und zu bestimmen, wobei ein Buch und die sachkundige Anleitung durch einen Erwachsenen hilfreich sind.

3) Auf jeden Fall darf nur bei Frost oder Schneelage gefüttert werden. Wenn man damit angefangen hat, sollte man die Fütterung auch beibehalten, weil sich die Tiere an die neue Nahrungsquelle gewöhnen.

4) Ein großes Problem bei der Winterfütterung sind die hygienischen Bedingungen. Durch den Massenbetrieb an der Futterstelle und durch Kot verunreinigtes oder verdorbenes Futter können leicht Krankheitserreger übertragen werden, wodurch nicht selten das Gegenteil der eigentlichen Absicht erreicht wird. Die Verwendung entsprechender Futtersilos und die regelmäßige Reinigung der Futtergeräte kann die Hygiene verbessern.

5) Bei der Fütterung sollten die Nahrungsgewohnheiten unserer Besucher berücksichtigt werden. Für die – an ihrem meist kräftigeren Schnabel erkennbaren – Körnerfresser (Dompfaff, Buchfink, Goldammer, Grünfink …) eignen sich die handelsüblichen Streufuttermischungen bzw. Sonnenblumenkerne. Unseren Weichfutterfressern, etwa den verschiedenen Meisenarten, Rotkelchen und auch Amseln, bieten wir Obst (Äpfel, Birnen), Rosinen, Haferflocken und die bekannten Meisenringe (-knödel). Tabu sind alle salzhaltigen Nahrungsmittel.

6) Mit Bedacht sollte der Standort des Futterplatzes ausgewählt werden. Dieser muss übersichtlich sein, damit sich keine Katzen anschleichen können. Wichtig ist auch ein gewisser Abstand zu Glasscheiben, um Anflugunfälle zu vermeiden. Andererseits sollte natürlich auch die Möglichkeit zur Beobachtung gewährleistet sein.

Fotos: Vögel und natürliche Nahrungsquellen

Nisthilfe für den Turmfalken

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) wurde vom NABU und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) zum „Vogel des Jahres 2007“ ausgerufen. Er ist ein relativ kleiner Greifvogel, der sowohl auf dem Land als auch in besiedelten Bereichen vorkommt. Ein typisches Erkennungsmerkmal ist sein „Rüttelflug“, wobei er mit kräftigem Flügelschlag und gefächertem Schwanz in der Luft steht und nach Beutetieren späht. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Kleinsäugern (meist Mäuse); aber auch Kleinvögel, Reptilien und größere Insekten werden geschlagen. Bei seiner Jagd ist er auf offene Landschaften mit Bäumen und Gehölzgruppen angewiesen.
Der Turmfalke brütet sowohl auf Bäumen (alte Krähen- und Elsternester) als auch auf hohen Türmen (Name!) – etwa Kirchtürmen - und anderen Gebäuden, wo er Nischen oder Simse nutzt. Er ist in Europa weit verbreitet und noch nicht akut gefährdet. Dennoch gehen die Bestände durch menschliche Einflüsse zurück. Gründe dafür sind häufig die intensive Landwirtschaft und das Siedlungswesen, welche sich negativ auf die Turmfalkenbiotope auswirken. So führt auch der Verlust seiner natürlichen und künstlichen Nistplätze zu einem Rückgang der Art.
Durch entsprechende Nisthilfen können wir zumindest die Brutbedingungen des kleinen Falken verbessern. Wer über einen großen Naturgarten oder über geeignete Gebäude (Scheunen, Stallungen, Silos usw.) verfügt, kann durchaus künstliche Nisthilfen anbieten. Eine Bauanleitung und weitere Hinweise finden Sie in unserem Merkblatt "Nistkasten für Turmfalke und Steinkauz".

Übrigens findet am 28.4.07 eine Veranstaltung zum „Vogel des Jahres: Der Turmfalke“ in Frankfurt unter Beteiligung der Naturschutz-Akademie Hessen statt.

Kranichzug in die Brutgebiete

Der aufmerksame Naturfreund kann in den kommenden Wochen wieder ein besonderes Naturschauspiel am Himmel beobachten. Im Februar und vor allem im März eines jeden Jahres ziehen tausende Kraniche auf dem Weg in ihre Brutreviere über unser Land. Meist wird man zunächst die recht lauten, trompetenartigen Rufe der Vögel hören, ehe man sie in ihrer typischen Keilformation fliegen sieht.
Der Kranich (Grus grus), auch „Graukranich“ oder „Grauer Kranich“ genannt, erreicht aufrecht stehend eine Größe von etwa 1,2 m und hat eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu 2,2 m. Das Gewicht eines ausgewachsenen Tieres liegt zwischen 6 und 7 kg. Von März bis Oktober leben (und brüten) die Vögel in Sumpf- und Feuchtgebieten (Moore, Bruchwälder, feuchte Niederungen) im Norden und Osten Europas. Die recht vielfältige Nahrung der Vögel besteht sowohl aus pflanzlichen Bestandteilen als auch aus Tieren. Neben Getreidekörnern, Erbsen, Bohnen, Mais und Eicheln werden auch Insekten und deren Entwicklungsformen, Weichtiere sowie kleinere Reptilien, Amphibien und Säuger gerne verzehrt.
Die europäischen Kraniche ziehen über zwei verschiedene Routen zu ihren Brutrevieren und wieder zurück in ihre Überwinterungsgebiete. Die osteuropäische Route führt von den Wintergebieten im nordöstlichen Afrika über Süditalien und den Balkan nach Polen, Russland und das Baltikum. Auf der westeuropäischen Route fliegen (über 100.000) Kraniche, die in Spanien, Frankreich und Nordafrika überwintert haben, zu ihren Brutgebieten in Mitteleuropa und Skandinavien (aber auch ins Baltikum, nach Polen und Weißrussland). Kraniche, die wir hier in Hessen - welches direkt im westeuropäischen Zugkorridor liegt - beobachten, haben meist in der südwestspanischen „Extremadura“ überwintert. In den dortigen Steineichenhainen („Dehesas“) ernähren sie sich von den Eicheln der Bäume.
Der Flug in der typischen Keilformation reduziert den Luftwiderstand und ist daher sehr günstig für die Energiebilanz der Tiere. Außerdem wird so der Kontakt in der Fluggruppe gehalten. Die Flughöhen liegen meist zwischen 200 und 1.000 m. Auf den Zugwegen werden bestimmte Rastplätze genutzt, um Nahrung aufzunehmen, zu schlafen und somit neue Energie für den Weiterflug zu tanken. In Abhängigkeit von den äußeren Bedingungen (Wetter, Tageszeit, Strömungsverhältnisse) und der Kondition der Vögel können an einem Tag mehrere Hundert Kilometer zurückgelegt werden.

Öffnen Sie Augen und Ohren, wenn die „Vögel des Glücks“, wie man die Kraniche in der Mythologie nennt, wieder über uns ziehen und das nahende Frühjahr ankündigen!

Fotos zum Kranichzug


Krötenwanderung zu den Laichgewässern

Nun ist es wieder soweit. Tausende von Kröten verlassen ihre Winterquartiere, um zu ihren Laichgewässern zu wandern und sich dort fortzupflanzen. Die relativ häufige Erdkröte (Bufo bufo) begibt sich - als sogenannter „Frühlaicher“ - schon im Februar / März auf die Wanderung zu den Gewässern, um ihre Eier abzulegen. Dabei wird immer jenes Gewässer aufgesucht, in dem die Tiere ihre eigene Larvenentwicklung durchlebt haben.

Die meiste Zeit des Jahres leben Erdkröten fernab (500 – 2.000 m) ihrer Laichgewässer in Laubwäldern, Feldgehölzen, Hecken, Wiesen und Gärten. Dort finden die dämmerungs- und nachtaktiven Froschlurche ihre Beutetiere, etwa (Regen-)Würmer, Nacktschnecken, Spinnen sowie Insekten und deren Larven. Tagsüber werden geeignete Verstecke unter Steinen, Holz usw. aufgesucht, um sich vor Fressfeinden und der Tageshitze zu schützen. Ab Oktober verbringen die Erdkröten eine Winterruhe in frostfreien Verstecken im Boden.

Die Wanderung beginnt dann im Spätwinter, mit Einbruch der Dämmerung, wenn die Lufttemperatur etwa 4 – 10° C beträgt. Dabei steigert Regen die Wanderaktivität der Kröten. Die kleineren Männchen treffen vor den deutlich größeren Weibchen am Laichgewässer ein. Da in der Erdkrötenpopulation ein ausgesprochener Weibchenmangel vorherrscht, werden die ankommenden weiblichen Tiere sofort von den Männchen fest umklammert. Bis zum Ende des Laichvorganges bleibt nun das Männchen auf dem Rücken des Weibchens, um den ausgestoßenen Laich zu besamen.
Der Laich, in Form charakteristischer Schnüre mit paarig angeordneten Eiern, wird an Stängel von Wasserpflanzen oder auch an Äste, die ins Wasser ragen, angeheftet. Nach dem Ablaichen wandern die Altkröten wieder zurück in ihre Jagdreviere. Aus den mehrere tausend Eiern, die ein Weibchen ablegen kann, entwickeln sich in den kommenden Wochen zunächst Junglarven und später die bekannten Kaulquappen. Nach der Metamorphose (Verwandlung beim Durchlaufen verschiedener Entwicklungsstadien) haben sich diese etwa Anfang August zu Jungkröten entwickelt. Bei regnerischem Wetter verlassen die jungen Kröten ihre Laichgewässer und wandern (meist in großer Zahl und bei Tage) zu ihren Landbiotopen.

Bei ihren Wanderungen sind sowohl die Jungkröten als auch die erwachsenen Tiere zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Die größte Gefahr entsteht mit der Zerschneidung der Wanderwege durch Straßen und die damit verbundenen Verkehrsopfer. Aber auch Biotope werden zerschnitten und führen zu isolierten Krötenpopulationen mit eingeschränktem Genaustausch. Andere Gefahren haben ihre Ursache in der Zerstörung von Lebensräumen (etwa Trockenlegung von Gewässern) und dem Biozideinsatz.


Literatur:

Blab, J. & Vogel, H.(1989)
Amphibien und Reptilien
BLV Verlagsgesellschaft mbH, München

Fotos


Jetzt Schmetterlinge frei lassen

Nicht nur wir Menschen sehnen uns nach einem langen Winter wieder nach Sonne und Wärme – auch die Schmetterlinge werden vom Frühling geweckt und erwachen aus dem Winterschlaf.
Bei uns sind es vor allem der "Kleine Fuchs" und das "Tag-Pfauenauge", die jetzt an den Fenstergardinen des Dachbodens oder auch manchmal an Kellerfenstern hängen und ins Freie wollen. Im Gegensatz zu ihren flugkräftigeren Verwandten "Admiral" und "Distelfalter" schaffen sie im Herbst die Reise in den warmen Süden nicht, sondern überwintern hierzulande. Sie suchen im Herbst nach einer geschützten Stelle und gelangen übers Kippfenster ins Dachgeschoss. Im Frühling streben die Tiere dann zum Licht, finden aber nicht mehr hinaus: Der Unterschlupf wird ihnen zur tödlichen Falle. Verhilft man ihnen nicht ins Freie, verhungern und vertrocknen die Falter am Vorhang oder auf dem Fenstersims. – Das wäre nicht nur schade um diese Edelsteine unter den Insekten, sondern auch ein Verlust für Natur und Garten. Denn dann finden wir sie nicht einmal mehr am Sommerflieder, dem Hauptnahrungsstrauch unserer Edelfalter.
Meist hängen an den Glasscheiben oder Gardinen außer Schmetterlingen auch noch grünliche, etwa 1,5 cm lange Insekten. Dabei handelt es sich um Florfliegen. Im Garten sind diese Tiere wichtige Helfer bei der Bekämpfung von Schädlingen, weil die Larven der Florfliegen Blattläuse fressen. Wenn wir also schon dabei sind, die Falter freizulassen, sollten wir die Fenster auch für dieses nützliche Insekt öffnen.
Für jeden, der ein Herz für die Natur hat, lohnt sich jetzt also, mal die Fenster des Dachbodens und der Keller zu kontrollieren ...

Dr. Gottfried Briemle

Fotos


Die Mistel - ein Semiparasit

Aufmerksame Naturbeobachter werden sicher schon einmal ein buschartiges Gewächs im Kronenraum diverser Baumarten entdeckt haben. Gerade jetzt kann man diesen immergrünen Busch in den noch unbelaubten Laubholzkronen gut erkennen. Die Rede ist von der Mistel (Viscum album L.), einem Schmarotzer, der mit Hilfe seiner Saugwurzeln Äste von Laub- und Nadelbäumen besiedeln kann und dort die Leitungsbahnen seiner Wirte anzapft, um an Wasser und Nährsalze zu gelangen. Kohlenhydrate und Proteine vermag die Mistel selbst zu produzieren.
Die Pflanze ist ein so genannter Semi- oder Halbparasit. So bedient sie sich zwar bei der Wirtspflanze, hat aber andererseits eine eigene Photosynthese, was auch an der Grünfärbung ihrer Blätter außerhalb der Vegetationszeit zu erkennen ist. Der Wirtsbaum wird durch den Mistelbefall nur gering beeinträchtigt – mitunter sterben einzelne Äste oder Kronenteile (oberhalb der Befallsstelle) ab.
Die sehr langsamwüchsige Mistel kann einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen. Sie blüht von Februar bis April und ihre Samen reifen im Dezember. Die weißen Beeren haben eine runde Form und werden gerne von Vögeln (etwa Drosselarten – „Misteldrossel“) verzehrt, die auch für die Verbreitung der Pflanze sorgen. Vögel können den Samen nicht verdauen und scheiden ihn wieder aus (etwa auf Baumästen). Aus diesem - in der Natur nicht unüblichen - Vorgang hat sich auch der altgermanische Name „Mistel“ (aus Vogelmist) abgeleitet.
Die Mistel ist fest verankert in der (nordischen) Mythologie. So wurde sie von den keltischen Druiden verehrt. Noch heute gibt es Bräuche rund um die Pflanze, etwa den Mistelzweig, den die Engländer in der Weihnachtszeit über der Tür aufhängen.
Die Mistel gilt auch als Heilpflanze. So finden ihre Extrakte Verwendung in der Humanmedizin als Mittel gegen Bluthochdruck und Rheuma sowie in der Krebstherapie.

Bei unserer Mistel lassen sich drei Unterarten differenzieren, die von unterschiedlichen Nährbäumen abhängig sind:

- Laubholzmistel (Pappeln, Linden, Apfelbäume, Ahorne, Weiden …)
- Tannenmistel (Weißtanne)
- Kiefernmistel (Waldkiefer, Schwarzkiefer, Bergkiefer)

Ein der oben beschriebenen Art ähnliches Gewächs ist die Eichenmistel oder auch „Riemenblume“ (Loranthus europaeus L.), die auf Eichen und Esskastanien schmarotzt.

Literatur:

Schwerdtfeger, F. (1970)
Die Waldkrankheiten
Paul Parey, Hamburg und Berlin


Fotos