Naturschutz-Akademie Hessen

Kommunale Grünflächenpflege


Wie kann die Grünflächenpflege zwischen kommunaler Kosteneinsparung und Aufgabenmehrung ökologische und betriebswirtschaftliche Aspekte vereinbaren? Übertragbare Lösungsansätze und Praxisbeispiele aus verschiedenen Kommunen waren Thema am 05.12.2013 auf der Kooperationsveranstaltung der Naturschutz-Akademie Hessen (NAH) und der HVNL in Bad Nauheim.

Thomas Zebunke, Vorstandsmitglied im NZH und der HVNL, konnte rund 130 Teilnehmer begrüßen, darunter Vertreter aus über 80 hessischen Kommunen, sowie Planer und Mitglieder einiger Naturschutzverbände. Er eröffnete die Veranstaltung mit aktuellen Fragen, ob die Ökologie angesichts der Sparzwänge nicht unter die Räder kommt, welche (autochthonen) Pflanzen den Klimawandel begegnen können oder ob Kinder eine „Stadt-Wildnis“ brauchen.

Brigitta Nell-Düvel, Erste Stadträtin der Stadt Bad Nauheim, begrüßte die Teilnehmer/-innen in ihrer Stadt und betonte, „dass Ökologie auch Kosten sparen kann“, obwohl Bad Nauheim viele Grünflächen der „Kategorie 1“ – Pflegeintensiv hat. Sie verwies zudem auf positive Ansätze zu bürgerschaftlichem Engagement in den Grünflächen ihrer Stadt und die positiven Auswirkungen der Landesgartenschau von 2010 auf die Gesundheitsstadt.

Eine visuelle Einführung in die Gegebenheiten der Tagungsstadt Bad Nauheim gab die von Hans-Martin Herrmann (Fachdienst Grünflächenplanung, Bad Nauheim) vorbereitete, unkommentierte Power-Point-Präsentation.

Zum Thema „Grüne Vielfalt managen – ökologische und betriebswirtschaftliche Aspekte in der kommunalen Grünflächenpflege“ berichtete Dr. Anna Steidle (Dr. Steidle Consult, Systemisches Grünflächenmanagement, IFPRA Commissioner Deutschland, München), die sich seit über 30 Jahren mit Thema befasst. Sie kategorisierte 5 Intensitätsebenen der kommunalen Pflege und plädierte dafür, die Pflege(schritte) transparent zu machen. Dadurch werden nicht nur Arbeitsschritte klarer, sondern auch Kosten und Einsparungsmöglichkeiten berechenbarer. Die promovierte Landespflegerin warb unter anderem für eine Renaissance der Stadtökologie: „Man braucht das Wissen der Ökologen, um Geld zu sparen."

Magnus Rabbe, Umweltamt Wiesbaden - Produktbereich Natur und Landschaft und HVNL-Vorstand, erläuterte die „Pflege kommunaler Grünflächen „von Innen nach Außen“: kostengünstige und naturschutzorientierte Beispiele der Stadt Wiesbaden“.
Die Stadt Wiesbaden hat mit der zur Peripherie hin geplant abnehmenden Pflegeintensität und der Einbindung von landwirtschaftlichen Nutzern beste Erfahrungen gemacht. Sie schließt eigene Nutzungsverträge mit Auflagen aufgrund naturschutzfachlicher Vorgaben.

In der Mittagspause hatten die Teilnehmer Gelegenheit, einige der intensiv gepflegten Flächen der Gesundheitsstadt Bad Nauheim im Winteraspekt zu besichtigen.

Die „Umwandlung von Einheitsgrün in artenreiche Anlagen – ein ökologisches Großprojekt der Stadt Bad Saulgau“ stellten Thomas Lehenherr, Umweltbeauftragter, und Jens Wehner, Stadtgärtner der Stadt Bad Saulgau anschaulich vor. Im Bundeswettbewerb der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wurde die Kommune für dieses Projekt 2011 als Landeshauptstadt für Biodiversität prämiert. Drei Viertel aller öffentlichen Flächen sind bereits umgewandelt, die fehlenden 25 Prozent sollen bis 2015 erreicht werden. In dem Vortrag bestach insbesondere die hervorragende Zusammenarbeit aus Planung und Öffentlichkeitsarbeit auf der einen und guter Umsetzung durch die Gärtner auf der anderen Seite. Dabei wurde auch von den Erfahrungen mit verschiedenen Ansaatmischungen und Vorgehensweisen berichtet.
Auch hier, wie bereits bei den Vorrednern, zog sich der Punkt der Akzeptanzschaffung in der Bevölkerung als roter Faden durch und wurde mehrfach durch vorab erklärende Meldungen in der Lokalpresse belegt.

Andreas Guth, Wildsaaten Wetzlar, erläuterte die „Aufwertung und Pflegereduzierung von kleineren kommunalen Grünflächen durch einheimische, standortgerechte Wildpflanzen“. Er verwies auf die positiven Bespiele in kleineren hessischen Kommunen und die nachhaltigen Entwicklungstendenzen der Ansaaten, die mit autochthonem Saatgut auf stark vermagerten Bodensubstraten aufgebracht wurden und dadurch einen sehr geringen Pflegeaufwand erzeugen.

Mehrere Fragen und Beiträge in den von Bernhard Neugirg (NAH) moderierten Diskussionsrunden kreisten um die Standard-„Blüten-Mischungen“ und ihren teilweise exotischen Blütenreichtum, der allerdings aufgrund der meist einjährigen Arten schnell verlischt. In der Tendenz war auch hier zu erkennen, dass nachhaltige Blütenvielfalt und gleichzeitige Pflegereduktion nur durch ein durchdachtes ökologisches und ökonomisches Vorgehen erreicht werden kann.

Monika Kustusch (HVNL)
Bernhard Neugirg (NAH)