Naturschutz-Akademie Hessen

Impressionen aus dem Winterwald


Viele von uns haben eine ganz besondere Beziehung zum Wald. Gerade auch hier in Hessen ist dies so, zumal wir einen relativ hohen Waldanteil haben und Wälder bei uns allgegenwärtig sind.
Es sind vor allem drei Jahreszeiten, die wir mit dem Wald assoziieren. Natürlich denken wir dabei an die hellgrünen Frühlingswälder und die Vogelkonzerte, mit denen wir das Erwachen der Natur verbinden. Auch das satte Grün und die Licht- und Schattenspiele eines Sommerwaldes werden unsere Gedankenwelt erfassen. Ganz sicher werden uns auch die herbstlichen Wälder mit ihrem Farbenrausch in den Bann ziehen.

Aber auch der Winterwald bietet uns vielfältige Eindrücke, Erlebnisse und Stimmungen, die wir nur in dieser Jahreszeit wahrnehmen können. Speziell sind es die winterkahlen Laubwälder, die uns nun ihre Geheimnisse preisgeben. So können wir etwa Wuchsanomalien in den Baumkronen erkennen oder auch bizarre Strukturen an Ästen und Stämmen.
Sichtbar werden jetzt auch Baumhöhlen und Pilzfruchtkörper, die zuvor von den belaubten Kronen verdeckt wurden.

Wuchsanomalien an Rotbuche

Die Bäume sind natürlich die Protagonisten des (Winter-)Waldes. Interessante Phänomene und Entdeckungen bietet aber auch der Waldboden. Gerade im Herbst und im Winter erscheinen viele Pilzfruchtkörper an Baumstubben und anderem Totholz als äußere Zeichen der Holzzersetzung.

Buckeltramete auf Totholz

In Buchen- oder Laubmischwäldern ist mitunter auch die relativ seltene Haareisbildung auf liegendem Totholz zu sehen. Die Gebilde erinnern an Zuckerwatte und werden oft für Pilze gehalten. Tatsächlich sind es aber hauchdünne Eisfäden, die an kalten und schneefreien Tagen unter bestimmten Bedingungen entstehen können.

Haareisbildung

Andere meteorologische Ereignisse verwandeln die Wälder in regelrechte Märchenlandschaften. Denken wir nur an Schneelagen oder auch an die Raureifbildung, die bei hoher Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit Frost entstehen kann. Wieder andere Stimmungen werden durch Nebel erzeugt, der die Wälder in mystische Orte verwandeln kann

Buchenwald im Schnee

Kunst auf dem Waldboden

Ein winterlicher Nebelwald

Besonders im Schnee, aber auch auf dem feuchten Waldboden erkennen wir zahlreiche Tierspuren und manchmal sehen wir sogar ihre Verursacher. Hauptsächlich sind es Säugetiere und Vögel, die den scheinbar schlafenden Winterwald mit Leben erfüllen.

Wir Menschen nehmen die Umwelt hauptsächlich mit unseren Augen wahr. Dies ist auch in den winterlichen Wäldern so. Ein anderer wichtiger Sinn ist natürlich der Hörsinn, der uns gerade auch im Wald viele Eindrücke und Stimmungen vermittelt. Etwas anders zeigt sich da der Winterwald, weil viele akustische Signale, die wir in den anderen Jahreszeiten wahrnehmen, fehlen. So haben die meisten Vögel ihren Gesang eingestellt (einige Arten sind ja eh in ihren Winterquartieren). Hinzu kommt, dass insbesondere bei Schneelagen viele Geräusche stark gedämpft werden.

Dies alles macht den winterlichen Wald zu einem Ort der Stille, wo lärm- und stressgeplagte Menschen ihre Ruhe finden und sich erholen können. Deshalb sollten Sie gerade auch im Winter die Wälder besuchen und die ganz besonderen Stimmungen auf sich einwirken lassen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit und frohe Festtage.

Impressionen aus dem Winterwald

Literatur:

Kremer, B. 1990
Naturspaziergang Wald
Franckh, Stuttgart

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub