Naturschutz-Akademie Hessen

Gewässerzustand - aktuell


Nach dem im Juli 2018 veröffentlichten Wasserreport der EU-Umweltagentur befinden sich die deutschen Gewässer in einem besorgniserregenden Zustand. Nur etwa 8 % der Gewässer sind dem Bericht zufolge in einer guten ökologischen Verfassung.

Libellen brauchen intakte Gewässer

Die Rote Liste der gefährdeten Biotoptype weist mehr als 60 % der Feuchtgebiete als akut gefährdet bzw. als „von völliger Vernichtung bedroht‟ aus. Dies betrifft z. B. Seen, Moore und Feuchtwiesen. Auch das Umweltbundesamt meldet für ca. 70 % der Gewässer einen mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand. Damit sei die vor zehn Jahren verabschiedete „Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt‟ zumindest bei den Gewässern weitgehend wirkungslos geblieben. Überdies seien auch die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtinie nicht erreicht worden.

Ein noch intaktes Hochmoor

Die Gefährdung bzw. die Belastung der Gewässer betrifft auch die Bäche, Flüsse und Meere. Insofern müssen wir bei der Beurteilung der Situation natürlich ein wenig über „den hessischen Tellerrand‟ hinausschauen. Gerade die Belastung der Meere durch Plastikmüll war in den letzten Monaten immer wieder ein Thema in den Medien. Dabei wurde vor allem der hohe Anteil an „Mikroplastik‟ als sehr problematisch eingestuft, da diese Partikel von den Meerestieren aufgenommen werden und so in die Nahrungskette bis hin zum Menschen gelangen können.

Für die schlechte Qualität der Fließgewässer und Seen werden in erster Linie Schadstoffe verantwortlich gemacht, die aus der (Intensiv-)Landwirtschaft stammen. Stickstoffdünger, Pestizide, Hormone und weitere Chemikalien sind hier einerseits zu nennen, aber auch die Ausbringung großer Mengen Gülle (bedingt durch die Massentierhaltung). Häufig werden dabei auch keine Sicherheitsabstände zu den Gewässerufern eingehalten. So führt dieser übermäßige Nährstoffeintrag zur Eutrophierung der Gewässer. Vor allem die eingebrachten Phosphor- und Stickstoffverbindungen bewirken ein vermehrtes Pflanzenwachstum (Algen, Laichkraut …), was wiederum ein Absenken des Sauerstoffgehaltes, eine erhöhte Schlammbildung und schließlich die Verlandung eines Gewässers nach sich ziehen kann.

Algenvermehrung durch Eutrophierung

Gerechterweise muss aber gesagt werden, dass nicht nur die Landwirtschaft für diese Situation verantwortlich ist. Auch Rückstände von Wasch-, Reinigungs- und Arzneimitteln sowie Fäkalien und Plastikteilchen, die mit dem Abwasser in unsere Gewässer gelangen, sind hier zu nennen.

Die Gesamtsituation wird dann noch durch längere Trockenperioden (wie aktuell in 2018) verschärft, weil durch die Niedrigwasserstände sich die Konzentration der Schadstoffe erhöht.

Einige Maßnahmen der Vergangenheit, etwa der Bau moderner Kläranlagen und das Verbot von Phosphaten in Waschmitteln, haben durchaus zu einer deutlichen Verbesserung des hydrologischen und chemischen Zustands der Gewässer geführt. Aus den o. g. Gründen trifft diese Entwicklung für den ökologischen Bereich und die damit verbundene Erhaltung der Biologischen Vielfalt leider nicht zu. Aus diesem Grunde sind weitere Maßnahmen und Anstrengungen - sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene - erforderlich.

Ein stabiles Gewässer im Wald

Aber auch jeder einzelne von uns kann durch eine verantwortungsvolle Lebensweise und ein ökologisch vertretbares Konsumverhalten seinen Beitrag zum Schutz unserer wertvollen Gewässer und Feuchtgebiete leisten. Nutzen wir diese Möglichkeiten zur Erhaltung jener einzigartigen Lebensräume!


Literatur

BUND Gewässerreport 2018

Gewässer in Deutschland: Zustand und Bewertung (Hrsg. Umweltbundesamt)


Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub