Naturschutz-Akademie Hessen

Ein Plädoyer für den Naturgarten


Ein Naturgarten? Haben wir nicht außerhalb unserer Städte und Dörfer genug Natur? Die Antwort lautet nein, denn viele menschliche Einflüsse lassen unseren heimischen Tier- und Pflanzenarten immer weniger Lebensraum. Hauptgründe sind der Flächenbedarf, etwa durch Siedlungs- und Straßenbau und die intensiv betriebene Landwirtschaft. Zahlreiche Arten sind deshalb in ihrem Bestand gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Naturgärten oder auch sonstige naturnahe Grünflächen und Parkanlagen in den Siedlungsbereichen können diesen Artenschwund vielleicht nicht kompensieren. Auf jeden Fall aber können sie die sonstigen Maßnahmen des Naturschutzes ergänzen und kleine (Natur-)Erlebniswelten – gerade auch für Kinder – sein.

Blumenwiese

Wenn die kalte Jahreszeit sich dem Ende neigt, werden Gartenbesitzer wieder aktiv. Die Spuren des Winters werden beseitigt und das Gartenjahr wird geplant. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um erste Schritte in Richtung Naturgarten zu unternehmen. Bei einer Neuanlage kann man mit den erforderlichen Maßnahmen direkt nach seinen Vorstellungen loslegen. Meist wird jedoch schon ein Garten vorhanden sein, der dann umgewandelt werden kann. Hierbei sollte man zunächst dem Spruch „weniger ist mehr‟ folgen. Unterlassen oder reduzieren Sie gewohnte Arbeiten, wie häufiges Rasenmähen, Entfernung von (Un-)Wildkräutern, Ausbringen von künstlichen Düngern oder chemischen Pflanzenschutzmitteln. Lassen Sie der natürlichen Entwicklung ihren Lauf und freuen Sie sich über ein wenig „Wildnis‟ in Ihrem Garten.

Aber Sie müssen auch aktiv in die Gartengestaltung eingreifen. Die prägenden Elemente eines Naturgartens sind die Pflanzen. Bäume, Sträucher, Stauden, Wildblumen und Gräser erfüllen sehr wichtige ökologische Funktionen. Entscheidend ist hierbei, dass es sich um einheimische Arten handelt. Schauen Sie doch einmal, was in Feldgehölzen oder an Waldrändern natürlicherweise vorkommt. Ersetzen Sie Ihren Essigbaum durch eine Salweide oder eine Vogelbeere und die Thujahecke durch Hainbuchen.

Früchte des Schwarzen Holunders

Verwenden Sie lieber Hasel und Holunder statt Forsythien und Rhododendren. Bei Obstbäumen sollten Sie die alten Hochstammsorten bevorzugen. Viele unserer schönen und immer seltener werdenden Tagfalter werden sehr gerne Brennnesseln, Disteln und Wildblumen nutzen, die sich bei extensiver Bewirtschaftung des Gartens von selbst ansiedeln.

Die Brennnessel ist wichtig für viele Tagfalter

Vielleicht erwägen Sie auch die Anlage eines Gartenteichs. Naturgemäß ziehen Gewässer (auch die kleinen Teiche) viele Arten wie ein Magnet an. Sehr schnell werden sich Wasserläufer und Libellen einfinden; später kommen Erdkröte, Teichmolch und weitere Arten hinzu. Die Flachwasserbereiche werden von diversen Vögeln gerne als Tränke oder auch als Badewanne genutzt.

Grünfrosch am Gartenteich

Aber nicht nur die Feuchtbiotope sind ökologisch wertvoll, sondern auch trockene Bereiche und Strukturen. Zu nennen sind hier Trockenmauern, Steinhaufen oder auch ein Sandbeet in sonnenexponierter Lage. Diese Kleinlebensräume haben ein spezifisches Artenspektrum. Für wechselwarme Reptilien, zahlreiche Insektenarten (z. B. Hummeln) und auch Kleinsäuger bieten sich hier Aufwärm-, Versteck- und Brutmöglichkeiten.

Trockenmauer

Zusammengetragenes Astwerk und Stubben ausgegrabener Bäume eignen sich sehr gut, um ein Versteck für Igel, Wiesel oder auch andere Arten zu schaffen. Auch das im Herbst anfallende Laub der Bäume und Sträucher sollte im Naturgarten verbleiben.

Herbst im Naturgarten

Mit der Bereitstellung von Nisthilfen für Vögel und Insekten können Sie viele heimische Arten zusätzlich fördern. Im Jahr 2018 bietet sich z. B. das Aufhängen eines Starenkastens an, um dem „Vogel des Jahres‟ eine Brut zu ermöglichen.
Wie Sie sehen, gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, die in der Lage sind, einen konventionellen Garten in einen Naturgarten umzuwandeln. Nutzen Sie diese Möglichkeiten als Ihr Beitrag zum Natur- und Artenschutz!

Diese Ausführungen sollten mit einigen Beispielen für Naturgärten werben. Die Nennung von Pflanzenlisten, Bauanleitungen oder auch Bezugsquellen würde den hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen. Bitte informieren Sie sich ausführlich bei den bekannten Naturschutzverbänden und im Internet.

Besuchen Sie doch einmal eine Veranstaltung der Naturschutz-Akademie Hessen und holen Sie sich bei dieser Gelegenheit weitere Anregungen im Natur-Erlebnisgarten der Akademie. Dort finden Sie alle o. a. Biotopelemente vor Ort.

Literatur

Lohmann, M. 1990
Das Naturgartenbuch
BLV, München

Klausnitzer, U. 1994
Biotope im Garten
Neumann, Radebeul

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub