Naturschutz-Akademie Hessen

Die Zauneidechse - Reptil des Jahres 2020

Im jährlichen Wechsel benennt die „Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT)‟ das Reptil oder den Lurch des Jahres. Im Jahr 2020 ist wieder ein Reptil an der Reihe und die Wahl fiel auf die Zauneidechse.

Die Zauneidechse, mit dem wissenschaftlichen Namen Lacerta agilis, kommt in ganz Deutschland vor, wobei sie aber in ihrem Bestand zunehmend gefährdet ist. Dies liegt hauptsächlich an der Zerstörung oder Veränderung ihrer Lebensräume. In der „Roten Liste‟ für Hessen, die jedoch bereits 10 Jahre alt ist, wird die Zauneidechse noch als ungefährdet gelistet. In vielen anderen Bundesländern befindet sie sich aber auf der „Vorwarnliste‟, wird als „gefährdet‟ oder sogar als „stark gefährdet‟ eingestuft.

Die Lebensräume der Zauneidechse sind häufig Rand- oder Saumbereiche, etwa Hecken, Wald- und Wegränder. Aber auch in Gärten oder auf Friedhöfen und in Steinbrüchen können wir sie antreffen. Sehr gerne werden natürlich auch Trocken- und Magerrasen besiedelt. Als wechselwarme Tiere benötigen Eidechsen auch offene Bereiche, wo sie sich aufwärmen können, um ihre "Betriebstemperatur" zu erreichen.
Zauneidechsen besiedeln ein sehr großes Areal, welches weite Teile Europas umfasst. Das östliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich sogar bis nach Sibirien.

Zauneidechsen-Biotop

Versteck und Aufwärmplatz

Zauneidechsen zählen zu den Smaragdeidechsen. Die Männchen zeigen im Frühjahr diese auffällige smaragdartige Grünfärbung, während die Weibchen eine schlichte bräunlichen Färbung aufweisen. Nur etwa sechs Monate (März bis August) im Jahr sind die Eidechsen aktiv. In diese Zeit fällt auch die Fortpflanzung, wobei die Paarung von April bis etwa Mitte Juni stattfindet. Die Eier (bis zu 15 Stück) werden in südexponierten Lagen in leicht zu grabendem Substrat (Sand…) abgelegt und der Schlupf der Jungen erfolgt nach etwa 6 Wochen.

Zauneidechse am Waldrand

Zauneidechse - Jungtier

Die Nahrung der Zauneidechsen besteht hauptsächlich aus Insekten und Spinnen, denen sie tagsüber nachstellen. Aber auch Regenwürmer werden verspeist. Ihrerseits werden sie von Säugern und vor allem von Vögeln gejagt. Fuchs, Graureiher, Turmfalke und Krähen seien hier stellvertretend genannt. Aber auch andere Reptilien, wie die Schlingnatter, zählen zu ihren Fressfeinden, zumal diese Schlange in ähnlichen Biotopen lebt.

Beutetier Regenwurm

Spinnen sind Beutetiere

Wie bereits erwähnt liegen die Gefährdungsursachen für die Eidechsen primär in der Zerstörung bzw. Veränderung ihrer Lebensräume. So können Magerstandorte durch die Sukzession ihre Biotopfunktion verlieren, weil durch die Verbuschung die notwendigen Offenbereiche verschwinden. Aber auch die Intensivierung der Landwirtschaft kann zur Lebensraumzerstörung beitragen. Umwandlung geeigneter Biotope in Ackerland, Düngung und Aufgabe einer extensiven Beweidung sind hier zu nennen.

Für den Schutz der Eidechsen bedeutet dies im Umkehrschluss, die aufgezählten Gefährdungsursachen zu vermeiden. Eine Unterschutzstellung der Lebensräume kann dabei sehr hilfreich sein. Dadurch würden nicht nur die Zauneidechsen geschützt, sondern auch viele weitere Arten dieser Biotope, z. B. Insekten.

Feinde der Zauneidechse

Der Schutz dieses schönen Reptils sollte allen Naturfreundinnen und Naturfreunden ein Anliegen sein!

Literatur

Blab, J. & Vogel, H.1989
Amphibien und Reptilien
BLV, München

Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (Hrsg), 2019
Die Zauneidechse – Reptil des Jahres 2020
(Broschüre)

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub