Naturschutz-Akademie Hessen

Die Robinie - Baum des Jahres 2020

Das „Kuratorium Baum des Jahres (KBJ)‟ hat die Robinie zum Jahresbaum 2020 deklariert. Damit wurde eine Baumart gewählt, die ursprünglich in Europa nicht heimisch war. Angeblich soll die Robinie im Jahr 1601 von Jean Robin, einem französischen Botaniker, von Virginia nach Paris gebracht worden sein, was jedoch nicht sicher belegt werden kann. Auf jeden Fall hat diese Geschichte zur Namensgebung des Baumes beigetragen. Ihr wissenschaftlicher Artname lautet nämlich Robinia pseudoacacia L., wobei „Robinia‟ auf Jean Robin zurückgeht. Wegen seiner Ähnlichkeit mit den in den Tropen und Subtropen vorkommenden Akazien, wird der Baum auch als „Scheinakazie‟ oder „Falsche Akazie‟ bezeichnet („pseudoacacia‟).

Robinien im Sommer

Die eigentliche Heimat der Robinie befindet sich im östlichen und mittleren Nordamerika. Heute ist sie in weiten Teilen Nordamerikas und auch Europas verbreitet. Mit Ausnahme einer recht hohen Lichtbedürftigkeit ist der Baum sehr anspruchslos, was die Standortbedingungen angeht. Die Robinie wächst auch auf nährstoffarmen Böden, ja sogar auf Schotter. Sie ist ausgesprochen hitze- und trockenresistent, wodurch sie zu einer „Gewinnerin des Klimawandels‟ wird. Ihr dichtes und weit reichendes Wurzelsystem verhindert Erosionen. Aus diesem Grund wurde (und wird) sie gerne zur Befestigung von Hanglagen verwendet. Dämme, Böschungen und Bahntrassen seien hier beispielhaft genannt.

Der Baum kann ein Alter von bis zu 200 Jahren erreichen und 25 m hoch werden, bei einem Stammdurchmesser von bis zu 50 cm. Die Robinie blüht im Mai / Juni, wobei ihre zahlreich ausgebildeten Blüten eine wichtige Bienenweide darstellen. Aber auch andere Insekten bedienen sich gerne an dem Angebot. Ihre Früchte reifen ab Oktober und hängen in lederartigen Hülsen am Baum.

Robinie - Blüte

Robinie - Samen im Winter

Die Robinie ist in der Lage, mit Hilfe von Knöllchenbakterien, Luftstickstoff zu binden und den Boden damit anzureichern. Dadurch stellt sich oft auch eine stickstoffliebende Begleitvegetation (etwa der Schwarze Holunder oder die Große Brennnessel) ein.
Durch ein sehr ausgeprägtes Stock- und Wurzelausschlagsvermögen, ist der Baum in der Lage, sich sehr gut zu regenerieren (etwa bei Stammbrüchen und anderen Einwirkungen). Die sehr dicke, im Alter rissige, Borke schützt den Baum sehr effektiv z. B. vor Feuer.

Begleitvegetation Schwarzer Holunder

Robinie im Alter mit rissiger Borke

Die Robinie ist eine Pionierbaumart und eignet sich sehr gut für die Erstbesiedelung devastierter Böden und Standorte. Ihr Holz ist sehr hart und wird zur Herstellung von Werkzeugstielen und Turngeräten verarbeitet. Auch als Grubenholz und zur Fertigung von Schwellen findet es Verwendung.

Durch ihre Anspruchslosigkeit und ihre Widerstandsfähigkeit eignet sich die Robinie natürlich auch als Stadtbaum, der die vorherrschenden extremen Bedingungen sehr gut bewältigen kann.

Der Baum ist ein giftiges Gehölz. Die Samen und besonders die Rinde enthalten den Wirkstoff Robin. Der Verzehr dieser Teile (etwa durch Kinder) kann zu Vergiftungen führen, die sich in Erbrechen, Durchfall oder auch Bauchschmerzen äußern.

Die besonderen Eigenschaften der Robinie sind es, die den „Baum des Jahres‟ für ganz unterschiedliche Standorte und Verwendungen prädestinieren. Gerade auch im Zusammenhang mit der Problematik des Klimawandels dürfte dem Baum eine hoffnungsvolle Zukunft sicher sein.

Typische Wuchsform einer Robinie

Literatur:

Amann, G. 1984
Bäume und Sträucher des Waldes
Neumann-Neudamm KG, Melsungen

Vorlesungsscript, Institut für Waldbau 1974
Waldbau Grundlagen
Forstliche Fakultät der Georg-August-Universität, Göttingen



Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub