Naturschutz-Akademie Hessen

Die Erdkröte - Lurch des Jahres 2012


Die „Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V.“ hat die Erdkröte (Bufo bufo) zum Lurch des Jahres 2012 erklärt. Damit wurde eine Art gewählt, die in ganz Deutschland noch relativ häufig vorkommt und oft anzutreffen ist.

Das zu den Froschlurchen zählende Tier nutzt ein breites Lebensraumspektrum, etwa Laubwälder, Waldränder, Hecken, Parkanlagen, Streuobstwiesen und auch naturnahe Gärten. Zur Fortpflanzung werden stehende Gewässer (Teiche, Weiher, Seen, Tümpel …) aufgesucht.

Die Nahrung der Erdkröten besteht aus Würmern, Nacktschnecken, Spinnen, Insekten und deren Entwicklungsstadien (BLAB/VOGEL), die sie in ihren Landlebensräumen – meistens nachts – erbeuten. Die Kaulquappen ernähren sich überwiegend von Algen.

Ein sehr auffälliges Phänomen ist die jährliche Wanderung zu den Laichgewässern. Abhängig von der Witterung, beginnt die Laichzeit schon Anfang März. Dann können sehr viele Individuen beobachtet werden, die das Gewässer aufsuchen, in dem sie seinerzeit geschlüpft sind. Häufig umklammern die Männchen die wesentlich größeren weiblichen Tiere und erreichen so die Gewässer. Im Uferbereich der Gewässer werden dann die typischen Laichschnüren um Pflanzenstängel, Äste oder andere feste Gegenstände gelegt und dabei unmittelbar von den aufsitzenden Männchen besamt. Ein Erdkrötenweibchen kann dabei mehrere tausend Eier ablegen, die sich dann über ein Larvenstadium zu den bekannten Kaulquappen entwickeln, aus denen bis Juli die Jungkröten entstehen. Diese wandern dann (bei günstigem Regenwetter) zu ihren eigentlichen Landlebensräumen.

Im Oktober beziehen die wechselwarmen Erdkröten ihre frostsicheren Verstecke, um dort zu überwintern. Diese Verstecke (Erdhöhlen, Totholzbereiche, Felsspalten …) liegen häufig schon in Richtung der angestammten Laichgewässer (BLAB/VOGEL).

Obwohl Erdkröten noch recht häufig vorkommen, sind sie dennoch zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Weniger problematisch sind dabei ihre natürlichen Feinde, wie Graureiher, Marder, Ringelnatter, Waschbär oder auch die Krötengoldfliege (ein Parasit). Sehr viele Opfer sind aber durch den Straßenverkehr zu beklagen, wenn die Erdkröten auf dem Weg zum und vom Laichgewässer Straßen queren müssen. Durch die hohe Zahl gleichzeitig wandernder Tiere ist auch die Zahl der Verkehrsopfer sehr hoch. Eine weitere Gefährdungsursache liegt in der Zerstörung der Laichgewässer.

Aus diesen Gründen sind Hilfen und Maßnahmen zum Schutz unserer Erdkröten erforderlich, wovon übrigens auch andere Lurche profitieren:
- Errichtung von Schutzzäunen entlang gefährlicher Straßenabschnitte
- Anlage von Durchlässen und Krötentunneln
- Sperrung von (Neben)-Straßen während der Hauptwanderzeiten, wo dies möglich ist
- Absichern von Straßengullys
- Schutz und Erhaltung der Laichgewässer

Die aufgezählten Maßnahmen sind in der Regel nur von Naturschutzgruppen und mit behördlichen Genehmigungen durchführbar. Weitere Hilfsmöglichkeiten bestehen in der Anlage naturnaher Gärten und dem Absichern von Fallen (etwa Lichtschächte) rund ums Haus.


Literatur

Blab, J. & Vogel, H. 1989
Amphibien und Reptilien – Kennzeichen, Biologie und Gefährdung
BLV Verlagsgesellschaft, München


Fotos