Naturschutz-Akademie Hessen

Der Maulwurf - Wildtier des Jahres

Ein Leben im Untergrund…

… führt das Tier des Jahres. Wir alle kennen ihn, doch nur wenige haben ihn auch schon gesehen. Wir reden über den Maulwurf, den die „Deutsche Wildtier Stiftung‟ zum „Wildtier des Jahres 2020‟ ernannt hat. Seine korrekte Bezeichnung lautet „Europäischer Maulwurf‟ und sein wissenschaftlicher Name ist „Talpa europaea‟.

Verbreitet ist er in den meisten Ländern Europas und natürlich auch in geeigneten Biotopen in ganz Deutschland. Im Gebirge ist er noch auf über 2.000 m Höhe anzutreffen. Seine bevorzugten Biotope befinden sich jedoch im Flachland. Dort lebt er in Wiesen, Gärten und auch in Mischwäldern.

Lebensraum des Maulwurfs

In jenen Lebensräumen gräbt er unterirdische Gangsysteme, die z.T. recht nahe an der Oberfläche verlaufen, aber auch tiefere Bereiche erfassen können. Diese Gänge, die bis zu 100 m Länge erreichen, werden bei der Jagd regelmäßig abgelaufen und kontrolliert. Bei den oberflächennahen Grabungen wird die anfallende Erde nach oben ausgeworfen, wodurch die bekannten Maulwurfshügel entstehen. Für diese Grabungen benutzt der Maulwurf seine zu Grabschaufeln umgebildeten Vorderbeine, die sich für die Arbeit sehr gut eignen.

Maulwurfshügel

Der Körper des Maulwurfs wirkt gedrungen, sein Fell ist samtartig und schwarz glänzend. Bemerkenswert sind die schon erwähnten Vorderbeine, wobei die seitwärts gestellten Füße lange Krallen aufweisen. Seine Schnauze ist rüsselartig verlängert (auch sie wird bei den Grabungen eingesetzt). Die Augen sind winzig klein um kaum sichtbar, womit auch die Sehfähigkeit des Tieres stark eingeschränkt ist. Es wird vermutet, dass nur hell und dunkel wahrgenommen werden kann. Der Ausspruch „blind wie ein Maulwurf‟ kommt daher. Andere Sinne sind hingegen gut ausgebildet, vor allem der Geruchs-, Hör- und Tastsinn. Für sein unterirdisches Leben in den Röhrensystemen der Erde ist er somit perfekt ausgestattet.

europäischer Maulwurf

Der Maulwurf gehört – wie Igel und Spitzmäuse - zu den Insektenfressern (Insectivora). Seine Nahrung besteht jedoch vorwiegend aus Regenwürmern, die er in seinem Erdlabyrinth erbeutet. Gejagt werden aber auch Schnecken, Insektenlarven und junge Mäuse (Auswahl). Maulwürfe haben (wie auch die Spitzmäuse) einen sehr hohen Stoffwechsel und müssen daher oft Nahrung aufnehmen. Beutetiere, die nicht gleich gefressen werden, landen für den späteren Verbrauch in Vorratskammern. Maulwürfe halten keinen Winterschlaf.

Hauptnahrung: Regenwurm

Ihrerseits sind Maulwürfe Beutetiere von Greifvögeln (Tag- und Nachtgreife), Marder, Weißstorch, Graureiher und Wildschwein. Mitunter werden sie auch von Hauskatzen erbeutet, von diesen aber nicht gefressen. Das trifft übrigens auch auf Spitzmäuse zu.

Feinde des Maulwurfs

Maulwurfsjäger Mäusebussard

Bei Landwirten und Gärtnern ist der Maulwurf nicht sehr beliebt. Dabei ist er durch seine Nahrungsgewohnheiten ein ausgesprochener Nützling, der Schnecken und Engerlinge vertilgt. Viele stören sich jedoch an den Maulwurfshaufen, die eigentlich völlig harmlos sind. Mag sein, dass diese Hügel hier und da die Arbeiten beeinträchtigen. Für manche Gartenbesitzer sind die kleinen Erdberge aber Elemente, die das Gesamtbild des Gartens stören, also primär ein ästhetisches Problem darstellen.

Natürlich ist auch dieser kleine „Erdwühler‟ ein Tier, welches das Artenspektrum unserer heimischen Natur bereichert. Daher sollten wir eine friedliche Koexistenz mit dem „Wildtier des Jahres 2020‟ anstreben, zumal er artenrechtlich geschützt ist.


Literatur:

Grimmberger, E. 2014
Die Säugetiere Deutschlands
Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

Schilling, D. Et al. 1983
Säugetiere – 181 Arten Europas
BLV Verlagsgesellschaft, München

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub