Naturschutz-Akademie Hessen

Der Einstieg in die Vogelbestimmung


Viele Menschen erfreuen sich an der Natur und an den Lebewesen, die sie dort antreffen. Allgegenwärtig ist dabei die bunte Schar unserer einheimischen Vogelwelt. In allen Lebensräumen sind Vögel vertreten, sei es im Wald, in der Feldflur, an Gewässern oder auch in Siedlungen und Gärten.

Ein Zusammentreffen mit unseren gefiederten Freunden ist somit sehr oft möglich. Die meisten Naturfreundinnen und Naturfreunde möchten dann aber auch gerne wissen, „mit wem sie es zu tun haben‟. So entsteht der Wunsch, die gesehene (oder auch gehörte) Vogelart zu bestimmen.

Gerade in den Wintermonaten bietet sich der Einstieg in die Vogelbestimmung aus verschiedenen Gründen an. So ermöglichen die nun kahlen Bäume und Sträucher eine freie Sicht auf die Vögel. Ferner ist das Artenspektrum nicht mehr so groß, da uns die Zugvögel verlassen haben. Außerdem wird nun in vielen Gärten gefüttert, wodurch die Vögel angelockt werden und dabei meist auf kurze Distanz gut zu beobachten sind.

Eichelhäher am Futterhaus

Ein paar Hilfsmittel sind für die Vogelbestimmung sinnvoll bzw. erforderlich. Dazu zählt natürlich ein Bestimmungsbuch, wobei eines für Einsteiger vorzuziehen ist. Die Werke für fortgeschrittene Vogelfreunde sind häufig zu komplex und würden Anfänger eher verunsichern. Auch eine Vogelbestimmungs-App für das Smartphone ist durchaus eine Hilfe. Da wir oftmals einen Vogel gar nicht sehen, sondern nur hören, wäre auch die Anschaffung einer Vogelstimmen-CD (App) zu überlegen.

Bücher zum Thema gibt es reichlich

Ein absolut notwendiges Hilfsmittel ist ein Fernglas, mit dem der Vogel und auch wichtige Details und Merkmale oft überhaupt erst sichtbar werden. Für den Einstieg muss dies kein teures "High-End-Gerät" sein (ein "30-Euro-Produkt" vom Discounter ist jedoch auch nicht zu empfehlen). Im Internet kann man sich auf den Seiten der Hersteller und auch auf den Homepages von Naturschutzverbänden umfassend informieren. Dabei sollte man nicht den Verwendungszweck aus dem Auge verlieren. So sind übertriebene Vergrößerungen eher ungeeignet und auch hohe optische Leistungen in der Dämmerung oder nachts meist unnötig.

Für unterwegs ist ein kleiner Notiz- oder Skizzenblock hilfreich, um Details der betreffenden Art festzuhalten. Auch eine Größenangabe kann so notiert werden, um die Art später eingrenzen zu können. Dabei empfiehlt es sich, den Vogel mit bekannten Arten zu vergleichen, etwa "so groß wie eine Amsel", "kleiner als eine Taube" und so weiter. Ergänzend sollten auch Angaben zum Lebensraum erfasst werden. So wird eine "Waldart", wie z. B. der Schwarzspecht, kaum in Siedlungen auftauchen.

Sinnvolle Hilfsmittel

Wer über eine entsprechende Kamera verfügt (Teleausrüstung erforderlich), kann auch diese zur Artbestimmung einsetzen. So können die selbst aufgenommenen Fotos mit denen im Bestimmungsbuch verglichen werden. Zudem könnte man die Fotos etwa auf die "Naturgucker-Seite" im Internet hochladen und um eine Bestimmungshilfe bitten.

Schließlich seien noch angepasste Verhaltensweisen bei der Vogelbeobachtung erwähnt. So ist es sinnvoll, hektische Bewegungen zu vermeiden, um die Fluchtdistanz der Tiere möglichst gering zu halten. Vögel verfügen über hervorragende optische Leistungen und nehmen insbesondere Bewegungen sofort wahr.

Rotkehlchen

Noch ein Tipp: Nehmen Sie an ornithologischen Exkursionen teil! Diese werden fast überall von örtlichen Naturschutzgruppen angeboten, etwa als Vogelstimmenwanderung zur Frühjahrszeit.

Bei Beachtung der angesprochenen Grundkenntnisse sollte dem Einstieg in die Vogelbestimmung nichts mehr im Wege stehen. Wir wünschen Ihnen dabei viel Spaß und schöne Naturerlebnisse. Übrigens - "Birding" liegt voll im Trend!

Ringeltaube


Literatur

Moning, E., Griesohn-Pflieger, T. & Horn, M. 2010
Grundkurs Vogelbestimmung
Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

Griesohn-Pflieger, T., Munzinger, S. & Schulemann-Maier, G. (Hrsg.) 2015
Praxisbuch Naturgucken
Verlag naturgucker.de

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub