Naturschutz-Akademie Hessen

Der dramatische Rückgang der Insekten


Über eine Million verschiedener Insektenarten leben auf dieser Erde, in Deutschland sind es mehr als 30.000 Arten. Keine andere Tierklasse hat eine vergleichbare Artenvielfalt entwickelt. Mit Ausnahme der Polarregionen und der offenen Meere haben sie alle terrestrischen und aquatischen Lebensräume erobert. Allen gemeinsam ist ihr dreiteiliger Körperbau aus Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen) sowie die drei Beinpaare (Hexapoda = Sechsfüßer). Bekannte Insektenordnungen sind beispielsweise Libellen, Käfer, Schmetterlinge, Heuschrecken, Wanzen, Haut- und Zweiflügler (Auswahl).

Ein seltener Hirschkäfer

Unser Hessenland verfügt über eine breite Biotop-Palette, die zahlreichen Insektenarten geeignete Lebensräume bieten kann. Wälder unterschiedlicher Ausprägung gehören ebenso dazu wie diverse Offenlandbereiche. Zu nennen wären hier Wiesen, Hecken, Streuobstbestände, Magerrasen, Moore, Dünen, Ruderalbereiche, Felspartien sowie Fließ- und Stillgewässer. Hinzu kommen weitere charakteristische (Klein-)strukturen als Bestandteile dieser Lebensräume, etwa Totholz, Höhlen, Steine, Kleinstgewässer und vegetationslose Bereiche (z. B. Sand).

Blühende Heckenlandschaft

Durch anthropogenen Einfluss sind einige dieser Lebensräume jedoch verschwunden oder zumindest bedroht. So mussten etwa viele Streuobstbestände der dörflichen Siedlungserweiterung weichen. Die offene Landschaft wurde häufig maschinengerecht umgestaltet. Feuchtgebiete wurden trocken gelegt, Hecken gerodet und andere Biotope wurden durch Straßen zerschnitten. Hinzu kommt der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft, dem Obstbau und sogar in den Gärten. In letzteren können wir vermehrt eine weitere biotopvernichtende Entwicklung beobachten. Die Rede ist von den Schottergärten, die in den sozialen Netzwerken auch als „Gärten des Grauens‟ bezeichnet werden. Diese „pflegeleichten‟ vegetationslosen Steinwüsten sind ökologisch völlig wertlos und zudem noch schädlich für das Klima in den Siedlungen, weil sie sich stark aufheizen.

Strukturarme Agrarlandschaft

Alle diese Komponenten sind verantwortlich für den z. T. drastischen Rückgang der Insekten (und weiterer Lebewesen). Betroffen davon sind nicht nur unsere Bienen und Schmetterlinge, sondern auch viele weitere Insektenspezies. Im Mai diesen Jahres hat der Weltbiodiversitätsrat einen Bericht vorgelegt, wonach etwa eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Darunter befinden sich natürlich sehr „prominente‟ Arten, etwa Elefanten, Großkatzen und Primaten. Aber auch Vögel, Amphibien und nicht zuletzt Insekten sind betroffen.

Hornissenschwebfliege

Die Problematik des Insektensterbens ist längst in der Gesellschaft angekommen und hochaktuell. Eindrucksvolles Beispiel ist das erfolgreichste Volksbegehren in der bayerischen Geschichte zum Thema „Rettet die Bienen‟. Die Ziele der „Initiative für mehr Artenvielfalt‟ sind mehr Blühwiesen, mehr „öko‟ und „bio‟, mehr Biotopverbund, weniger Pestizide und eine bessere Ausbildung der Landwirte. Gespräche der politisch Verantwortlichen mit den verschiedenen Interessengruppen haben schon stattgefunden.

Blumenwiese

Um die Situation der Insekten (und anderer Tiergruppen) zu verbessern, sind Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene erforderlich. Gerade für Insekten können aber auch schon naturnahe Biogärten sehr hilfreich sein, um Biotopverluste zumindest teilweise zu kompensieren. Insekten spielen im Haushalt der Natur eine wichtige Rolle; sie sind Blütenbestäuber, helfen bei der Zersetzung von organischem Material und sind Nahrung für andere Tiere (Vögel, Amphibien, Reptilien, Säuger und andere Insekten). Sie sind sehr wichtige Mitglieder von Nahrungsketten bzw. Nahrungsnetzen. Somit sollte die Rettung der Insekten höchste Priorität genießen, um langfristig einen intakten Naturhaushalt zu gewähren!

Gehörnte Mauerbienen

Der Schutz der Insekten ist auch das Thema des Naturschutzforums 2019 am 17. August hier in der NAH.

Und vom 2. bis 11. August 2019 findet der „NABU-Insektensommer‟ statt. Bei der Aktion können Sie Insekten zählen und Ihre Ergebnisse dann melden. Weitere Informationen finden Sie
hier.


Literatur

Dierl, W. & Ring, W. 1988
Insekten: Mitteleuropäische Arten
BLV Verlagsgesellschaft, München

Settele, J. et al. 2005
Schmetterlinge – Die Tagfalter Deutschlands
Ulmer, Stuttgart

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub