Naturschutz-Akademie Hessen

Damhirsche in Hessen

Damwild

Neben Reh- und Rotwild gibt es in Hessen noch eine weitere Hirschart. Es ist der Damhirsch mit dem wissenschaftlichen Namen Dama dama. In unserem Bundesland kommt freilebendes Damwild nur in Südhessen vor, nämlich im Damwildgebiet “Römerkastell” im Rheingau-Taunus-Kreis, im Damwildgebiet “Bulau” bei Hanau (Main-Kinzig-Kreis) und im Damwildgebiet “Rhein- Main” südlich von Frankfurt/M. (Kreise Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg). Deutschlandweit liegen die Verbreitungsschwerpunkte in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen.

Ursprünglich stammt der Damhirsch aus Klein- und Vorderasien, von wo er schon vor sehr langer Zeit durch die Römer in die Länder des Mittelmeerraums eingeführt wurde. Im Mittelalter erfolgten – aus jagdlichen Gründen - weitere Ansiedlungen in Mitteleuropa. Heute sind Damhirsche an vielen Orten in der ganzen Welt verbreitet.

Ein Damhirsch im Herbst

Mit ihren Körpermaßen liegen sie zwischen Rehen und Rothirschen. Die weiblichen Tiere erreichen Gewichte von 40 – 70 kg, ein ausgewachsener männlicher Hirsch kann bis zu 120 kg schwer werden. Die Fellfarbe der Tiere ist sehr variabel, wobei meist die Wildfarbe dominiert (im Sommer rötlich-braun mit weißen Flecken, nach dem Fellwechsel im Herbst dunkel grau-braun). Es gibt aber auch schwarze und weiße Tiere sowie Übergangsformen. Auffällig ist ein über den Rücken laufender dunkler Aalstrich.

Das Damwild gehört (wie Rehe und Rothirsche) zu den sog. Cerviden, bei denen die männlichen Tiere ein Geweih tragen, welches jedes Jahr abgeworfen und dann wieder neu gebildet wird. In der Aufbauphase ist das Geweih mit einer Basthaut überzogen. Ältere Damhirsche tragen ein schaufelartiges Geweih.

Hirsche mit Bastgeweihen

Damhirsche sind Wiederkäuer. Ihre Nahrung ist recht vielfältig und besteht u. a. aus Gräsern, Kräutern, Blättern, Trieben von Bäumen und Sträuchern, Waldfrüchten, Pilzen und Baumrinden. Die tagaktiven Tiere leben in Rudeln, die nach Geschlechtern getrennt sind. In Bezug auf ihren Lebensraum sind Damhirsche relativ anspruchslos. Gerne leben sie in parkähnlichen Landschaften und lichten Wäldern mit offenen Bereichen.

Waldfrüchte

Damwild Biotop

Lichter Eichenwald

Die Brunft der Damhirsche findet von Oktober bis hinein in den November statt, wobei sich die männlichen Tiere dann sehr harte Kämpfe liefern können. Während dieser Zeit sind auch die Lautäußerungen der Hirsche zu hören, die an ein „Knören‟ bzw. „Rülpsen‟ erinnern. Mit dem spektakulären Schreien und Röhren eines Rothirsches hat dies jedoch nichts gemein.
Nach einer Tragezeit von etwa 33 Wochen werden ab Mai (bis Juli) die Kälber geboren (meist ist es nur ein Kalb).

Die Sinnesleistungen der Damhirsche können als hervorragend bezeichnet werden. Vor allem ist hier die Sehleistung zu nennen. So können die Tiere, im Gegensatz zu anderen Hirschen, einen Menschen auch dann erkennen, wenn er völlig regungslos bleibt.

Ein weibliches Tier säugt sein Kalb

Feinde des Damwildes sind Wolf, Luchs und wildernde Hunde. Für Jungtiere sind auch Füchse, Wildschweine und Kolkraben gefährlich. In der freien Natur werden Damhirsche bis zu 20 Jahre alt, in Wildgehegen können sie noch älter werden.

Der Wolf jagt auch Damhirsche

Das Damwild unterliegt dem Jagdrecht. Sein Bestand ist nicht gefährdet. In Hessen werden jedes Jahr etwa 1.800 Tiere erlegt.

Durch seine Genügsamkeit ist Damwild sehr oft in Wildgehegen vertreten. Auch in den drei landeseigenen hessischen Wildparks „Alte Fasanerie – Klein Auheim‟, „Tiergarten Weilburg‟ und im „Wildtierpark Edersee‟ werden diese schönen Hirsche gehalten.

Literatur:

Grimmberger, E. 2014
Die Säugetiere Deutschlands
Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub