Naturschutz-Akademie Hessen

Blütenzauber im Frühjahr

Gerade jetzt, wo die Corona-Krise unseren Alltag bestimmt, erfreut uns die Natur mit einem Farbenspiel, welches von der Blüte der Bodenpflanzen, Sträucher und Bäume ausgeht. Dies können wir nicht nur in unseren Gärten beobachten, sondern auch im Offenland und in den Wäldern der freien Natur. Die Farbpalette der Blüten erstreckt sich von weiß und gelb bis hin zu blau, violett und rot.

Schon im ausgehenden Winter und lange vor dem Austrieb der Blätter blüht die Hasel. Wir alle kennen die herabhängenden Kätzchen, bei denen es sich um die männlichen Blüten handelt. Auch die Salweide blüht bereits im März und liefert somit schon früh im Jahr Nahrung für Insekten. Auffällig sind ihre männlichen Blüten, die zunächst silberweiß glänzen (Palmkätzchen) und später eine gelbe Farbe und eine eiförmige Gestalt annehmen. Die weiblichen Blüten der Salweide sind grün und länglich geformt.

Salweiden-Blüte

Ganz früh im Jahr (ab Februar) erscheinen die gelben Blüten des Huflattichs, der gerne an Wegrändern, Bahndämmen und an den Ufern von Gewässern wächst.
Recht bekannt sind natürlich auch die Frühblüher unserer hessischen Buchenwälder, denen nur ein schmales Zeitfenster im März und April für ihre Blüte zur Verfügung steht. Sobald die Buchen ab etwa Mitte April austreiben, werden die Lichtverhältnisse für die Bodenpflanzen immer ungünstiger. Frühblüher dieser Wälder sind beispielsweise das Buschwindröschen, der Lerchensporn und das Waldveilchen.
Von April bis hinein in den Juni blüht in feuchten und nährstoffreichen Wäldern der Bärlauch, von dem ein starker Knoblauchgeruch ausgeht. Die weißblühende Bodenpflanze bildet häufig große „Blütenteppiche‟ aus. In lichten Laubwäldern können wir im Mai und Juni das Maiglöckchen finden, dessen Blätter denen des Bärlauchs ähnelt. Im Gegensatz zum genießbaren und in der Küche gerne verwendeten Bärlauch ist das Maiglöckchen allerdings stark giftig!

Bärlauch (links) und Maiglöckchen

Relativ hoch ist die Arten- und Individuenzahl blühender Pflanzen im Licht begünstigten Offenland und im Bereich der Waldränder. So ist in Heckenlandschaften der blühende Schwarzdorn ab April weithin sichtbar. Seine weißen Blüten erscheinen noch vor dem Laubausbruch. Etwas später im Frühjahr blühen der Gemeine und der Eingriffelige Weißdorn, deren Blüten ebenfalls weiß sind. Rosa bis rötlich blühen indes unsere Wildrosen, etwa die bekannte Hundsrose.
Wieder einen anderen Farbakzent setzt der gelb blühende Besenginster im Mai und Juni.

Blühende Schwarzdornhecke

Wildrosenblüte

Besenginster-Blüte

Eine bunte Farbenpracht zeigen unsere Wildblumen. Viele von ihnen gedeihen auf mageren Wiesen. Aber auch andere Bereiche, etwa Ackerränder, Waldränder, Brachland, Waldlichtungen und Gewässerufer seien hier erwähnt.
Bekannte Arten dieser Standorte sind z. B. Klatschmohn, Kornblume, Acker- und Zaunwinde, Weidenröschen, Roter Fingerhut, Blutweiderich und Mädesüß. Die genannten Arten stellen nur eine sehr kleine Auswahl dar!

Acker-Randstreifen

Mohn

Sehr üppig blühen in der Regel die Obstbäume in unseren Gärten und in den Streuobstwiesen. Teils erinnern die blühenden Bäume an überdimensionierte Blumensträuße. Die dominierende Blütenfarbe der Obstbäume ist weiß.

Natürlich können wir auch in den Wäldern die Blüte der Bäume beobachten. Bei vielen Großbäumen verläuft die Blühphase allerdings relativ unspektakulär, weil die Blüten mitunter recht klein und (oder) unscheinbar sind. Ausnahmen gibt es aber auch, so fallen die blühenden Vogelkirschen in den noch kahlen Laubwäldern auf. Auch die Rosskastanie und die Vogelbeere beeindrucken mit einer mächtigen Blütenpracht.

Rosskastanie Birne Vogelkirsche

Der Zeitpunkt der Blüte wird bei unseren Wildpflanzen nicht vom gregorianischen oder astronomischen Kalender bestimmt, sondern vom phänologischen Kalender. Dieser teilt das Jahr in zehn „biologisch begründete Jahreszeiten‟ ein. Jeder dieser Jahreszeiten sind Zeigerpflanzen zugeordnet. Der Blühbeginn hängt von diversen (vorwiegend klimatischen) Einflüssen ab und wird daher von Jahr zu Jahr und auch von Region zu Region zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden.

Durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020 hat sich unsere Lebenssituation drastisch verändert. Vielleicht kann der „Blütenzauber‟, den uns die Natur bietet, unsere Stimmung ein wenig aufhellen und zur persönlichen Bewältigung der Krise mit beitragen.

Literatur:

Aichele, D.1991
Was blüht denn da?
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart

Amann, G. 1984
Bäume und Sträucher des Waldes
Neumann-Neudamm KG, Melsungen

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub