Der Fischotter - Tier des Jahres 2021

Der Otter in seinem Element *

Der Otter in seinem Element *

Die "Deutsche Wildtier Stiftung hat den Fischotter zum "Tier des Jahres 2021 gekürt und damit eine seltene und gefährdete Art ausgewählt.
Der Fischotter, der u. a. auch als "Wassermarder bezeichnet wird, trägt den wissenschaftlichen Namen Lutra lutra. Er ist mit einer Länge von über einem Meter und einem Gewicht bis zu 15 kg nach dem Dachs - der zweitgrößte heimische Marder, wobei die männlichen Tiere größer werden als die weiblichen Otter. Sein Körper ist stromlinienförmig, seine Augen und Ohren sind relativ klein und die Füße besitzen Schwimmhäute. In Verbindung mit einem recht langen Schwanz machen ihn diese Merkmale zu einem exzellenten Schwimmer.

Sehr bemerkenswert ist das Fell des Fischotters. Es ist kurzhaarig und hellbraun gefärbt. Auf einem Quadratzentimeter Haut können sich bis zu 70.000 Haare (!) befinden, wodurch die Art das dichteste Fell aller einheimischen Wildtiere hat. Insgesamt besitzt das Tier weit über 100 Millionen Haare, die ihn bei seiner Jagd unter Wasser hervorragend isolieren. Fischotter sind Einzelgänger und meist in der Dämmerung oder nachts aktiv.

Ein Fischotter-Paar *

Ein Fischotter-Paar *

Mit Ausnahme von Island und den Mittelmeerinseln war der Fischotter einst in ganz Europa verbreitet. Heute ist er eine stark bedrohte und seltene FFH-Art, die auf der "Roten Liste als "gefährdet eingestuft wird. Sein Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland liegt in den neuen Bundesländern und in Bayern. Weiter nach Westen hin ist die Populationsdichte sehr viel geringer.
Allerdings konnten bei einer Kartierung von Fischottervorkommen in Nord- und Osthessen im Jahre 2015 auch in unserem Bundesland Nachweise über eine punktuelle Verbreitung erbracht werden. Die Untersuchungen im Auftrag von Hessen-Forst wurden damals an Weser, Werra, Fulda, Eder, Schwalm, Ohm, Nidda, Kinzig, Lohr, Sinn und deren Zuflüssen durchgeführt. Danach ergaben sich Vorkommen im Vogelsberg, an der Eder und im Spessart. Im Jahr 2020 wurde ein Fischotter auch in der Wetterau nachgewiesen (Totfund).

Stehend wird das Umfeld erkundet *

Stehend wird das Umfeld erkundet *

Die Lebensräume des Fischotters sind unbelastete, saubere Fließ- und Stillgewässer mit natürlichen Uferzonen und Flachwasserbereichen. Die Ufer müssen einen Bewuchs mit Bäumen, Sträuchern und weiterer Vegetation aufweisen. Nur dort können die Otter ihre Baue errichten und in Deckung die Gewässerufer kontrollieren. Entlang der Fließgewässer können sie bis zu 20 km bei ihren Streifzügen zurücklegen. Aber auch auf dem Landweg werden längere Strecken überwunden, um andere Gewässer aufzusuchen.

Lebensraum Fließgewässer

Lebensraum Fließgewässer

Dichter Uferbewuchs am Gewässer

Dichter Uferbewuchs am Gewässer

Die Nahrung des Fischotters besteht nicht nur aus Fisch, wie man vielleicht annehmen könnte. Als Beutegreifer jagt er auch Arten aus den Gruppen der Amphibien, Krebse, Kleinsäuger und Insekten.
Er selbst hat kaum natürliche Feinde. Eventuell könnten Seeadler oder auch der Wolf für ihn gefährlich werden.

Nahrungstiere des Fischotters

Nahrungstiere des Fischotters

Sein größter Feind ist der Mensch, der ihn in der Vergangenheit an den Rand der Ausrottung gebracht hat. Dafür sind mehrere Gründe verantwortlich. So wurde er wegen seines wertvollen Fells erbarmungslos gejagt, wozu man spezielle Otterhunde einsetzte. Aber auch als Nahrungskonkurrent in der Fischereiwirtschaft wurde er verfolgt. Hinzu kamen Verluste durch in Fischreusen verendete Tiere.
Eine weitere Dezimierung der Bestände musste die Art hinnehmen, weil die Kirche in früheren Zeiten den Fischotter als "Fisch ansah, der auch in der Fastenzeit von Menschen verzehrt werden durfte. Dieses traurige Schicksal teilt er übrigens mit dem Biber.

Auch wenn die genannten Faktoren heutzutage mit Ausnahme der Fischreusen keine Rolle mehr spielen, so sind jedoch andere Ursachen vorhanden, die einer Ausbreitung der Fischotterbestände entgegen stehen. Zu nennen sind hier Lebensraumzerstörungen durch Begradigung von Fließgewässern, Rodung von Ufervegetation und Schadstoffeintrag in fließende und stehende Gewässer. Hinzu kommen immer wieder Verluste durch den Straßenverkehr.

Viele Otter tötet der Straßenverkehr

Viele Otter tötet der Straßenverkehr

Wir sollten alles versuchen, um diesen schönen und eleganten Wassermarder als festen Bestandteil unserer heimischen Fauna zu schützen und seine Bestandsentwicklung zu fördern!

* Anmerkung: Die Fotos zeigen den "Nordamerikanischen Fischotter" (Lontra canadensis), nicht die europäische Art.


Literatur:

Grimmberger, E. 2014
Die Säugetiere Deutschlands
Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

Schilling, D. Et al. 1983
Säugetiere 181 Arten Europas
BLV Verlagsgesellschaft, München

Text und Fotos Hubertus Schwarzentraub

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