Naturschutz-Akademie Hessen

Wildtiere in Siedlungen


Seit der Mensch in Siedlungen wohnt, wird er von Wildtieren begleitet, die zusammen mit ihm oder auch in seiner Nachbarschaft leben. Die Häuser und Stallungen früherer Zeit boten zahlreichen tierischen Mitbewohnern ideale Bedingungen. Mäuse und Ratten waren dort ebenso zu Hause wie ihre natürlichen Fressfeinde Schleiereule und Steinmarder.

Auch unsere Städte waren schon immer auch Lebensräume für Wildtiere. Wir alle kennen die Eichhörnchen vom Friedhof, die Wildkaninchen der Parkanlagen und natürlich die allgegenwärtige Vogelwelt. In jüngerer Zeit jedoch hat sich das urbane Artenspektrum um Arten erweitert, die man hier vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte. Spektakulär sind die Berichte aus Berlin über die städtische Wildschweinpopulation, und unser nordhessisches Kassel ist die „heimliche Hauptstadt“ der Waschbären. Aber auch in vielen anderen (Groß-) Städten haben sich Wildtiere an ein Leben in den Siedlungsbereichen angepasst. Rehe und Füchse leben heute vielerorts in Städten, hinzu kommen zahlreiche Vogelarten auf Gewässern und in Grünanlagen und Gärten.

Fotos © Hubertus Schwarzentraub, Siegfried Piehozki

Auch seltene Arten sind zu beobachten. So leben heute in einigen Städten Wanderfalken und Uhus, die noch vor wenigen Jahren vom Aussterben bedroht waren. In den Parkanlagen von Wiesbaden, Mainz und Köln haben sich Kolonien asiatischer Halsbandsittiche etabliert und auch anderswo leben weitere exotische Arten in Städten, meist Vogelarten, aber auch Schildkröten aus fernen Ländern, die ursprünglich in Gefangenschaft lebten.

All die städtischen Mitbewohner sind anpassungsfähige Kulturfolger und alle sind Opportunisten, die in unseren Siedlungen ideale Bedingungen vorfinden. Nahrung ist ebenso vorhanden wie Brutraum und Deckungsmöglichkeiten. Außerdem wird in Siedlungsbereichen nicht gejagt und auch sonst drohen kaum Gefahren, wenn man einmal vom Autoverkehr und dem Prädatorendruck durch Haustiere (Hund und Katze) absieht.

Natürlich gestaltet sich das Miteinander von Mensch und Wildtier nicht immer unproblematisch, wobei dafür meist der Mensch verantwortlich ist, wenn er etwa die Tiere (an)füttert oder ihnen Zugang zu Futterquellen ermöglicht. Die auftretenden Konflikte sind vielfältig und reichen von verwüsteten Gärten über zerbissene Autokabel bis hin zu Wildunfällen im Straßenverkehr. Da viele „Stadttiere“ im Laufe der Zeit ihre natürliche Scheu ablegen, sind auch Gefahren für den Menschen denkbar. So kann es zu direkten Angriffen in die Enge getriebener Tiere oder auch zur Übertragung gefährlicher Krankheiten (Tollwut, Tetanus, Fuchsbandwurm …) kommen.

Die Koexistenz mit unseren Mitgeschöpfen in den Siedlungen ist vermutlich nicht mehr aufzuhalten. Es ist sogar denkbar, dass weitere Arten hinzukommen. Eine zu enge Bindung sollte dabei – aus den erwähnten Gründen - jedoch nicht angestrebt werden.