Naturschutz-Akademie Hessen

Wilde Gärten


Der Sommer hat begonnen und täglich werden Arbeiten in zahllosen deutschen Gärten verrichtet. Rasenflächen werden gemäht, Blumenbeete und der Nutzgarten werden gestaltet und gepflegt. Häufig entsteht dabei ein aufgeräumter und sauberer Garten, der in den Augen vieler Gartenbesitzer ordentlich wirkt, weil kein Wildkraut, kein totes Holz und kein Stein die Harmonie stört.

Doch für viele Wildtiere, die gerne auch in unseren Siedlungsbereichen leben, sind derartige Gärten unattraktiv, weil es an Nahrung, Deckung und Brutraum fehlt. Daher bieten sich Überlegungen an, der Natur etwas mehr Freiraum zu ermöglichen und in unseren Gärten auch wilde Bereiche zuzulassen. Möglichkeiten dazu ergeben sich eigentlich in jedem Garten. Es soll hier weniger um die (natürlich sehr sinnvolle) Verwendung einheimischer Baum- und Straucharten gehen und auch die Neuanlage eines Teiches oder einer Wildwiese ist nicht unser Thema. Vielmehr sollen ein paar Beispiele Anregungen geben, um ein vorhandenes Gartenareal mit einfachen Methoden für die Tierwelt zu verbessern.

Holzstapel aus Baumschnitt

Insbesondere in den Randbereichen sind Strukturelemente denkbar. So können Äste – etwa vom Baumschnitt – im Garten verbleiben und als aufgeschichtetes Totholz dem Igel und anderen Kleinlebewesen als willkommene Deckung dienen. Auch das zusammengerechte Laub aus dem Herbst erfüllt diese Funktion. Übrigens wird sich ein Igel nur in Gärten einfinden können, wo ihm die Randbegrenzung einen Durchlass gewährt.

Steinhaufen

Ein Steinhaufen im Garten bietet kleinen Reptilien (etwa der Zauneidechse) ein Versteck und auch die Möglichkeit sich aufzuwärmen. Diese Kleinstbiotope werden auch gerne von Insekten (z. B. Erdhummeln) als Brutraum oder sogar von Erdkröten genutzt, die in den Hohlräumen Deckung finden. Geeignetes Steinmaterial erhält man in Steinbrüchen, beim Baustoffhändler oder im Baumarkt.

Große Brennnessel

Ganz „mutige“ Gärtner könnten auch einen aufkommenden Brennnessel-Bewuchs irgendwo im Randbereich dulden und damit z. B. einige unserer schönsten Tagfalter fördern. So ernähren sich - neben vielen anderen Arten - die Raupen vom Tagpfauenauge, vom Kleinen Fuchs, vom Landkärtchen und vom Admiral von der Brennnessel.

Diese wenigen Anregungen sollen für den Moment genügen. Mit weiteren flankierenden Maßnahmen, etwa der Entschärfung von Tierfallen rund ums Haus (Absichern von Gruben, Schächten, Treppen und Fensterflächen), kann ein „wilder Garten“ somit zum Erhalt unserer schützenswerten Tierwelt beitragen. Wir haben es in der Hand!


Fotos © Hubertus Schwarzentraub