Naturschutz-Akademie Hessen

Waldränder


Waldränder gehören zu den landschaftsbestimmenden Elementen unserer heimischen Natur. Sie sind nicht nur Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten, sondern schützen auch die dahinter liegenden Waldflächen und sind ästhetisch sehr reizvoll.

Ein idealer Waldrand ist stufig aufgebaut und besteht aus drei Zonen, die möglichst ineinander verzahnt sind. Ganz außen, am Übergang zur offenen Landschaft, beginnt der Waldrand mit einer Saumzone. In Abhängigkeit von den standörtlichen Bedingungen (Licht, Wärme, Wasser und Nährstoffe) wachsen hier verschiedene Gräser, Kräuter und Stauden, die sehr reichhaltig zusammengesetzt sein können. Typische und auffallende Pflanzen sind z. B. Brennnessel, Weidenröschen, Rainfarn, Ginster, Vogelwicke, Bärenklau und Greiskräuter.

An die Saumzone grenzt zum Walde hin die Strauchzone. Hier finden unsere lichtliebenden Sträucher geeignete Wuchsbedingungen. Von den etwa 50 heimischen Straucharten sind Schlehe, Weißdorn, Hasel, Heckenrose, Pfaffenhütchen, Hartriegel und Holunder häufig anzutreffen.

Das Verbindungsglied zwischen dieser Strauchzone und dem eigentlichen Wald wird als Übergangszone bezeichnet. In diesem Bereich wachsen sog. „Bäume II. Ordnung“. Es handelt sich dabei um Arten, die nicht die Höhe unserer Waldbäume erreichen. Bekannte Vertreter sind Hainbuche, Birke, Weidenarten, Eberesche, Feldahorn und Wildobstarten.
Im allen drei Zonen können sog. Sonderstrukturen vorkommen. Jene Kleinstlebensräume, wie Baumstubben, Totholz, Steinriegel, Pfützen oder auch vegetationslose Partien, stellen eine enorme Bereicherung dar, weil viele Tierarten davon profitieren oder sogar darauf angewiesen sind.

Waldränder sind eigene Lebensräume, die eine Vielzahl an Tierarten beherbergen. Der Artenreichtum von Saumbiotopen hängt mit dem „Grenzlinieneffekt“ zusammen. Für den Waldrand bedeutet dies, dass hier nicht nur Arten des Waldrandes vorkommen, sondern auch solche, die ihren Hauptlebensraum im Wald oder in der angrenzenden freien Flur haben. So erstreckt sich die Tierartenpalette von der Spitzmaus bis zum Reh und vom Zaunkönig bis zum Mäusebussard. Insekten und Spinnen sind am häufigsten vertreten. Insbesondere in der Saumzone können Ameisen, Fliegen, Bienen, Wespen, Käfer und unsere farbenprächtigen Tagfalter beobachtet werden. Vögel und Kleinsäuger (Igel, Wiesel, Mäuse) sind primär in der Strauchzone anzutreffen. Weitere typische Waldrandbewohner sind Schlingnatter, Waldeidechse, Blindschleiche, Erdkröte, Dorngrasmücke und Bilche (Haselmaus, Schläferarten).

Die Tiere nutzen Waldränder in vielfältiger Hinsicht. Während einige Arten hier lediglich ein Versteck oder Schutz vor Feinden suchen, finden andere ideale Brutmöglichkeiten oder Überwinterungsquartiere. Wieder andere partizipieren vom reichhaltigen Nahrungsangebot (Nüsse, Beeren, sonstige Früchte und Tiere).

Eine herausragende Bedeutung haben die linienhaften Waldränder im Verbundsystem der Lebensräume. So können viele Tierarten nur im Schutze des Waldrandes weitere Strecken wandern. Dies ist sowohl für den Genaustausch als auch für die Neubesiedelung anderer Biotope eine grundlegende Voraussetzung.


Literatur

Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV),
Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.
Lebensraum Waldrand (DBV-Merkblatt)

Naturschutz-Zentrum Hessen e. V., Hrsg. (1989)
Lebensraum Waldrand und Waldwiese –
Biotop des Jahres 1989, Wetzlar

Fotos