Naturschutz-Akademie Hessen

Waldameisen - Millionenstaat am Waldesrand


Es sind oftmals die kleinen und unscheinbaren Lebewesen, die in der Natur zu außerordentlichen Leistungen fähig sind und geniale Überlebensstrategien entwickelt haben. Diese Umschreibungen treffen in besonderem Maße auf unsere hügelbauenden Waldameisen zu, deren emsiges Treiben der aufmerksame Naturfreund häufig beobachten kann.
Ameisen sind weltweit mit über 12.000 verschiedenen Arten vertreten. In Deutschland sind 13 Arten der hügelbauenden Waldameisen heimisch, von denen uns hier aber nur 2 Arten näher interessieren, die Rote Waldameise (Formica rufa) und die Kahlrückige Waldameise (Formica polyctena).

Weniger die einzelnen Tiere als vielmehr ihre markanten Nester, die Ameisenhügel, zeigen uns das Vorkommen von Waldameisen an. Diese Hügel befinden sich meist an sonnigen Stellen am Waldrand oder auf Kahlschlägen und sonstigen lichten Plätzen im Wald. Die Nester werden fast immer um einen Baumstrunk angelegt und bestehen aus einem oberirdischen Hügelbau und einem unterirdischen Erdbau, der bis zu 2 m tief sein kann. Als Baumaterial dienen Koniferennadeln, Samenteile und kleine Steinchen. Der Standort des Nestes befindet sich oft im Bereich von Nadel- oder Mischwäldern. Die Eingänge zum Nest liegen im oberirdischen Hügel und werden von Wächterinnen bewacht (Pädagogisches Zentrum et al.). In den Nestern leben auch Mitbewohner; so entwickeln sich dort die Larven des Rosenkäfers und des Ameisen-Sackkäfers.

Im Ameisenvolk herrschen strikte Arbeitsteilungen und Funktionszuweisungen. Die Königinnen sind für die Eiablage verantwortlich. Übrigens reicht ihr Samenvorrat durch die Begattung für ihr gesamtes Leben, welches immerhin 25 Jahre andauern kann (Bretz). Aus den befruchteten Eiern entstehen Arbeiterinnen oder neue Königinnen. Die Arbeiterinnen haben unterschiedliche Aufgaben. Viele von ihnen sind für die Brutpflege zuständig, andere sammeln Nahrung und wieder andere bewachen die Nesteingänge. Aus den unbefruchteten Eiern entstehen die geflügelten Männchen, die nur zum Hochzeitsflug mit der Königin benötigt werden und nach erfolgter Begattung sterben. Innerhalb von 5 - 6 Wochen entwickeln sich aus den Eiern - über ein Larven- und Puppenstadium - die fertigen Insekten.

Die etwas größeren „Roten Waldameisen“ legen meist nur ein Nest an, in dem auch nur eine Königin (man bezeichnet dies als „Monogynie“) und etwa 100.000 Arbeiterinnen leben. Möglich ist aber auch eine Koloniebildung mit bis zu 500 Königinnen (polygyne Form). Bei den „Kahlrückigen Waldameisen“ werden mehrere Nester angelegt. Ihre Kolonien beherbergen bis zu 5.000 Königinnen und über 1 Million Arbeiterinnen (Sielaff). Sie bevorzugen Nadelholzbestände, während die „Rote Waldameise“ vorwiegend in Mischwäldern lebt.

Die Nahrung der Waldameisen besteht hauptsächlich aus dem ‘Honigtau’. Dies sind die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Rindenläusen (Lachniden). Für die Aufzucht der Brut sind die Waldameisen jedoch auf tierisches Eiweiß angewiesen, welches in Form zahlreicher Insekten beschafft wird. Falter, Raupen, Larven u. a. werden erbeutet und anschließend ins Nest transportiert.
Da ein Ameisenvolk gewaltige Futtermengen benötigt, trägt es zum Schutz des Waldes bei, indem forstliche Schadinsekten reduziert werden. Bei Massenvermehrungen kann ein Ameisenvolk bis zu 100.000 Schadinsekten pro Tag vertilgen. Da aber der Aktionsradius der Ameisen mit etwa 50 - 100 m rund um das Nest recht beschränkt ist und die Nester meistens am Rand des Waldes angelegt werden, darf ihr Einfluss auf die Population der Schadinsekten nicht überschätzt werden.

Aber auch den Ameisen drohen einige Gefahren. Sie werden von Spechten, Amseln, Eidechsen und räuberischen Insekten gejagt. Schlimmer aber sind Nestzerstörungen, die durch Straßenbau, Siedlungserweiterung und die Waldarbeit (z. B. beim Fällen, Rücken und Stapeln des Holzes) entstehen können. Auch Menschen, die aus Unkenntnis in den Nestern stochern und damit das empfindliche Klima im Hügel stören, gefährden die Waldameisen-Populationen.

Eine wichtige Rolle übernehmen die Waldameisen bei der Verbreitung von Samen; so sind etwa 150 Pflanzenarten bei der Samenverbreitung auf sie angewiesen.
Als wichtige Mitglieder des Ökosystems Wald sind die Waldameisen schon sehr lange unter den Schutz des Naturschutzrechtes gestellt. Wir alle sollten durch unser Verhalten zum Schutz der Waldameisenvölker beitragen und ihre Bedeutung für den Naturhaushalt erkennen! Weitere Informationen erhalten Sie bei der Deutschen Ameisenschutzwarte.

Fotos

Literatur:

Bretz, D. (1999)
Waldameisen – Bedrohte Helfer im Wald
Hrsg. Deutsche Ameisenschutzwarte e. V., Oppenau

Pädagogisches Zentrum des Landes Rheinland-Pfalz & Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten, Hrsg. (1989)
Waldameisen – Leben, Gefährdung und Schutz
In: Schule & Forstamt in Rheinland-Pfalz, Bad Kreuznach + Mainz

Sielaff, M. (1988)
Unsere Waldameisen – Lebensweise, Gefährdung, Schutz
In: Schriftenreihe „Wald und Umwelt“, Nr. 24/89, SDW, Bonn