Naturschutz-Akademie Hessen

Unsere Bäche - ein Netzwerk des Lebens


Wie ein Netz durchziehen Bäche unsere Landschaft. Im Hochgebirge sind sie ebenso vorhanden wie in Mittelgebirgsregionen oder im Flachland. Als Bäche werden Fließgewässer bezeichnet, die eine Breite von bis zu 5 m aufweisen. In Abhängigkeit von der Höhenlage können drei Bachtypen unterschieden werden:

Bach im Wald

Den Hochgebirgsbach finden wir in den höheren Gebirgsregionen, etwa den Alpen. Wegen ihres starken Gefälles rauschen diese Bäche mit unbändiger Kraft zu Tal, wobei sie häufig grobes Geröll und Steine mit sich reißen. Ihr kaltes und klares Wasser ist sehr sauerstoffreich. Fische und Wasserpflanzen sind nicht vorhanden.

Eine geringere Strömung weisen die Mittelgebirgs- oder Bergbäche auf. Sie sind kühl und immer noch stark mit Sauerstoff angereichert. In Bachschlingen kommt das Wasser häufig zur Ruhe, so dass sich Frachtteilchen absetzen können, in denen sich Wasserpflanzen ansiedeln. Die Uferbereiche sind häufig mit der typischen Bachbegleitvegetation (Erlen und Weiden) bewachsen.

Eine deutlich trägere Strömung zeigen die Tieflandbäche der Ebenen. Die Wassertemperatur kann im Sommer auf mehr als 20° C ansteigen und der Sauerstoffgehalt ist durch sehr starke Schwankungen gekennzeichnet. Der Pflanzenbewuchs ist meist sehr üppig und kann das gesamte Bachbett besiedeln. Auch die Uferbereiche sind häufig mit dichten Bachröhrichten bewachsen.

Großer Blaupfeil

Der Verlauf eines Baches wird in verschiedene Regionen unterteilt, deren Namen sich an der jeweiligen Leitfischart orientieren. Bei einem Mittelgebirgsbach sind dies, ausgehend von der Quelle: die Salmonidenregion, die Äschenregion, die Karpfenregion, die Barbenregion, die Brachsenregion und schließlich im Mündungsbereich die Flunder-Kaulbarschregion.
Bäche sind außerordentlich wertvolle Biotope, die eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten beherbergen. Das Tierartenspektrum erstreckt sich vom unscheinbaren Bachflohkrebs bis hin zum Fischotter.

Fischotterpaar

Insekten stellen die artenreichste Tiergruppe dar. So sind allein die Köcherfliegen mit über 500 Arten vertreten. Viele Insektenarten nutzen die Bäche als Teillebensraum für ihre verschiedenen Entwicklungsstadien, etwa Libellen.
Bei den Fischen nimmt die Artenzahl vom Hochgebirgsbach bis hin zum Tieflandbach zu, wo bis zu 15 Arten regelmäßig anzutreffen sind.
Recht bescheiden ist hingegen die Anzahl der Vogelarten, wenngleich sich darunter einige Raritäten befinden, etwa der Eisvogel, die Wasseramsel und der Schwarzstorch, der auf intakte Waldbäche angewiesen ist.
Für die Lurche und Reptilien sei hier auf den Feuersalamander - der seine lebend geborenen Jungtiere für die weitere Entwicklung in Bäche setzt - und die mit ausgezeichnetem Schwimmvermögen ausgestattete Ringelnatter hingewiesen.

In Bächen konnten über 100 verschiedene Pflanzenarten nachgewiesen werden. Neben niederen Arten, wie Algen und Moosen, sind auch zahlreiche Blütenpflanzen vorhanden (z. B. Laichkräuter, Igelkolben, Tannenwedel, Wasserstern und Hahnenfußgewächse).

Mädesüß

An den Ufern naturnaher Bachläufe finden sich meist Schwarzerlen und Weidenarten. Aber auch feuchtigkeitsliebende Pflanzen, wie Schilfrohr, Sumpfdotterblume, Schwertlilie, Mädesüß und Blutweiderich sind recht bekannte Vertreter dieser Standorte.

Blutweiderich

Zahlreiche Bäche wurden - im Zuge der Flurneuordnung - begradigt, verrohrt oder in ein Bett aus Stein oder Beton gezwängt. Die übermäßige Verwendung von Gülle und landwirtschaftlichen Kunstdüngern führt zu drastischen Nährstoffeinträgen. Diese Eutrophierung lässt die Artenzahl schwinden, so dass nur noch wenige Organismen überleben können. Algen und krautige Pflanzen beginnen zu wuchern und bremsen den Wasserabfluss. Andere Gefahren drohen den Bächen durch die Einleitung von Abwässern und den Eintrag giftiger Substanzen.

Wir alle sind aufgerufen, zum Erhalt und Schutz unserer einzigartigen Bachbiotope beizutragen.

Literatur

Naturschutzzentrum Hessen Projekt GmbH (Hrsg), 1996
Lebensraum Bach – Biotop des Jahres 96/97
Wetzlar

Fotos © Hubertus Schwarzentraub