Naturschutz-Akademie Hessen

NAH-Seminare rund um Obstwiese und Obst

Biologische Vielfalt ist unsere Lebensgrundlage und bedeutet Lebensqualität. Die Biodiversität von Obstwiesen ist in Mitteleuropa einzigartig. Dabei spielen nicht nur Tiere und Pflanzen eine wichtige Rolle, sondern auch die genetische Vielfalt der Obstarten und -sorten. Fruchtsorten müssen nicht importiert werden, sie wachsen auf unseren heimischen Streuobstwiesen oder in Hausgärten.

Schon 1000 v. Chr. kultivierten die Phönizier in ihren Obstgärten veredelte Bäume, und Hippokrates berichtete über eine alte gärtnerische Tätigkeit – das Okulieren. Das Veredeln der Obstgehölze ist eine Art der ungeschlechtlichen Vermehrung. Dabei werden verschiedene Verfahren angewendet, weil die Obstarten und -sorten nur in Ausnahmefällen durch Samen sortenecht vermehrt werden können. Gerade beim Kernobst sind im Laufe der Jahrhunderte viele wertvolle Sorten entstanden, die bis heute nur durch das Veredeln erhalten werden können.

Hochstämmige Obstbäume prägen noch vielerorts unsere Kulturlandschaft. Dabei spielen die alten Obstsorten einer Streuobstwiese in Bezug auf ihre Robustheit und Widerstandskraft eine wesentliche Rolle. Doch wer kennt sie noch, die guten alten Sorten? Sie verschwinden fast unmerklich aus der Landschaft und mit ihnen wertvolle Eigenschaften, wie Krankheitsresistenz, Geschmack, Verarbeitungsfähigkeit. Ebenso geht ein Stück kulturhistorische und pomologische Geschichte verloren. Sie gilt es, ebenso wie die genetische Vielfalt der Streuobstwiese, zu erhalten. Ein erster Schritt in die Obstsortenbestimmung ist das Studium der äußeren und inneren Merkmale einer Frucht – die Pomologie. Das Wissen um die einzelnen Sorten, deren optimalen Erntezeitpunkt und die richtige Lagerung sind Voraussetzung für die Verwendung und Verarbeitung des heimischen Obstes.

In 2016 werden wieder mehrere Seminare zu diesen Themen mit dem bekannten Pomologen Steffen Kahl aus Aßlar angeboten. Los geht es am 23. Januar und 20. Februar mit Winter-Schnittkursen im Gelände der NAH. Am 24. Februar wird ein ähnliches Seminar für Mitarbeiter der Kommunen angeboten. Obstbäume sind Kulturpflanzen und benötigen ein Mindestmaß an Pflege. Neben den Grundregeln der Obstbaumpflege sollen das Verständnis des Wachstums der Obstbäume und ihre Reaktion auf die Schnittmaßnahme vermittelt werden. Die Fortbildung zeigt, welche Schnittmaßnahmen in Bezug auf die Obstart, Jahreszeit und Baumalter durchgeführt werden können. Außerdem werden wichtige Tipps zu Werkzeugen, Leitern und anderen Materialien gegeben. Nicht zuletzt fließen die Erfahrungen des Referenten in Bezug auf die ökologische Bedeutung der Obstwiese, die Sortenkunde und die Pflanzengesundheit in das Seminar ein.