Naturschutz-Akademie Hessen

Libellen - Akrobaten der Lüfte


Jeder kennt sie, die auffälligen Flugkünstler, die in den Sommermonaten recht gut an Gewässern beobachtet werden können. Libellen gehören einer sehr alten Insekten-Ordnung (Odonata) an und sind mit etwa 80 Arten in Deutschland vertreten, wovon 62 Arten in Hessen heimisch sind (Patrzich et al.). Die Arten werden in die beiden Hauptgruppen „Groß- und Kleinlibellen“ unterteilt.

Sie alle sind an Gewässer gebunden, wo die Paarung und die Eiablage erfolgen. Hier verbringen sie auch ihre (teils recht langen) Larvenstadien mit bis zu 15 Häutungen. Am Ende des Larvenstadiums schlüpft das fertige Insekt aus der letzten Larvenhaut. Diese „Exuvien“ kann man an Pflanzenstängeln finden, an denen sie z. T. noch recht lange nach dem Schlupf anhaften. Je nach Libellenart leben sie an Fließ- oder auch Stillgewässern. Vor allem erstere müssen für einige Arten (z. B. Prachtlibellen) eine besonders gute Wasserqualität aufweisen. Deshalb werden einige Libellenarten auch als Bioindikatoren angesehen, die eine hohe Gewässergüte anzeigen. Die meisten Libellenarten leben an (in) Stillgewässern, wie Seen oder Weihern, wobei auch die vorhandene Wasser- und Ufervegetation für die Eiablage und Revierabgrenzung von großer Bedeutung sind.

Sowohl die Larven als auch die Imagines (die voll entwickelten Alttiere) ernähren sich räuberisch. Ihre Beutetiere sind Insekten (größtenteils Fliegen und Mücken), denen die fertigen Libellen mit beeindruckenden Flugmanövern erfolgreich nachstellen. Durch die besondere Anordnung ihrer Flügel können Libellen rüttelnd in der Luft stehen, blitzschnell die Flugrichtung ändern und sogar rückwärts fliegen! Diese Fähigkeiten – in Kombination mit einem außerordentlichen Sehvermögen – lassen Libellen zu perfekten Jägern werden. Die Larven ernähren sich von Kleintieren im Wasser, z. B. von Krebsen, Würmern, Kaulquappen und Jungfischen (Engelhardt).

Alle Libellenarten sind (mehr oder weniger) gefährdet, weil der Mensch immer wieder in ihre Wasser-Lebensräume eingreift. Die Hauptursachen sind:

- Nährstoffeintrag und Verschmutzung der Gewässer
- Trockenlegung bzw. Beseitigung von Feuchtgebieten
- Uferverbauung und Beseitigung der Ufervegetation
- Grundwasserabsenkungen
- hoher Fischbesatz
- Zerstörung der Gewässerbegleitvegetation durch Freizeitaktivitäten

Insofern liegt der beste Schutz unserer Libellen in der konsequenten Vermeidung der genannten Gefährdungsursachen. Übrigens können Libellen nur ihren Beutetieren gefährlich werden; für den Menschen sind sie – entgegen einer immer noch verbreiteten Meinung - völlig harmlos!

Literatur:

Engelhardt, W. (1989)
Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher?
Franckh`sche Verlagshandlung, Stuttgart

R. Patrzich, A. Malten & J. Nitsch (1995)
Rote Liste der Libellen Hessens. Hessisches Ministerium des Innern und für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz

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