Naturschutz-Akademie Hessen

Lebensraum Hecke


Das Wort „Hecke“ geht auf den althochdeutschen Begriff „Hag“ zurück, womit die Einzäunung einer Fläche (Weide) mit Sträuchern verstanden wird. Noch heute kennen wir die Bezeichnung „Hagebutte“ für die roten Früchte der Wildrosen.
Seit Jahrhunderten sind Hecken prägende Landschaftselemente und gleichzeitig lineare Saumbiotope, die besondere ökologische Merkmale aufweisen. Im „Idealfall“ bestehen sie aus einer Kern-, Mantel- und Saumzone.
Die Kernzone im Zentrum besteht meist aus „Bäumen 2. Ordnung“. Zu ihnen zählen u. a. Feldahorn, Hainbuche, Salweide, Vogelbeere und Vogelkirsche.
Die sich anschließende Mantelzone ist der Standort lichtliebender Sträucher. Bekannte Arten sind Schwarzdorn, Weißdorn, Hundsrose, Hasel, Hartriegel, oder Holunder.
Den Abschluss nach außen bildet die Saumzone, welche in der Regel an landwirtschaftliche Nutzflächen oder Wege grenzt. Hier wachsen Gräser, Wildkräuter und Stauden, wie Vogelwicke, Hauhechel, Lab- und Kreuzkraut oder auch Mädesüß, Gilbweiderich und Weidenröschen, um nur einige zu nennen. Insgesamt sind etwa 600 (!) in Hecken vorkommende Pflanzenarten belegt.
Nicht weniger beeindruckend ist das nachgewiesene Tierartenspektrum. So gibt Blab (1993) für Feldhecken die Zahl von 900 verschiedenen Tierarten an. Die weitaus meisten Arten sind Insekten. So leben zahlreiche Wildbienen-, Ameisen-, Mücken-, Fliegen-, und Käferarten in Hecken. In der blütenreichen Saumzone sind auffällig gefärbte Tagfalter (Kaisermantel, Kleiner Fuchs, Distelfalter, Tagpfauenauge und C-Falter) zu beobachten, während Blattläuse, Wanzen- und Zikadenarten eher versteckt in der Hecke leben.
Weitere typische Heckenbewohner sind diverse Spinnenarten. Aber auch Arten aus der Säuger-, Amphibien-, Reptilien- und Vogelgruppe repräsentieren das hohe Artenspektrum. Iltis, Igel, Haselmaus, Erdkröte, Schlingnatter, Zauneidechse, Neuntöter, Elster und Goldammer seien hier stellvertretend genannt.
Die Artenvielfalt der Saumbiotope resultiert aus den zahlreich vorhandenen und ganz unterschiedlichen Lebensbedingungen. So bieten Hecken gleichermaßen Nahrung, Schutz, Brutmöglichkeiten und Überwinterungsquartier auf einem Raum. Dies wird zusätzlich durch Biotopstrukturen verstärkt, worunter man Kleinstlebensräume versteht, die weiteren Arten das Überleben sichern. Dazu zählen Lesesteinhaufen, Totholz, Kleinstgewässer und andere.

Hecken, als lineare Landschaftsstrukturen, sind besonders wertvolle Elemente in einem Biotopverbundsystem. Gerade in ausgeräumten „Kultursteppen“ erfüllen sie wichtige Funktionen für wandernde Tierarten und ermöglichen einen Genaustausch.
Durch die im letzten Jahrhundert durchgeführten Flurbereinigungen und die damit zusammenhängende Intensivierung der Landwirtschaft sind zahllose Hecken aus unserer Landschaft verschwunden. Weitere Verluste entstanden durch Straßen- und Feldwegebau. Uns allen sollte an der Erhaltung und dem Schutz der Hecken gelegen sein. Übrigens kann auch der Gartenbesitzer dazu beitragen, indem er Hecken aus heimischen Strauch- und Baumarten anlegt und fördert. So finden zahlreiche Tierarten auch in den Siedlungsbereichen Nahrung, Schutz und Brutraum.

Literatur

Amann, G. (1984)
Bäume und Sträucher des Waldes, Melsungen

Blab, J. (1993)
Grundlagen des Biotopschutzes für Tiere, Greven

Schwarzentraub, H. (2002)
Hecken – Lebensräume der Kulturlandschaft

Merkblätter zum Naturschutz 31, Hrsg. Naturschutz-Zentrum Hessen, Wetzlar