Naturschutz-Akademie Hessen

Landschaftsästhetik


Die Landschaftsästhetik beschreibt die „Schönheit einer Landschaft“, wobei wir diese Schönheit natürlich rein subjektiv wahrnehmen. Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen nicht streiten. Dennoch können wir einige Kriterien zur Bewertung einer schönen Landschaft heranziehen, die sich vor allem aus der Wanderszene heraus entwickelten. Ein paar Beispiele seien hier skizziert:

Die Vielfalt des Landschaftsbildes spielt sicher eine bedeutende Rolle bei der Bewertung. So bevorzugen wir etwa bei einer Wanderung eine abwechslungsreiche Wegeführung, die uns zu unterschiedlichen Lebensräumen führt und unsere Sinneswahrnehmung positiv beeinflusst. Da gibt es die visuellen Eindrücke des Landschaftsbildes (Berge, Flusstäler, Seen, Wald und Waldränder, Heckenbereiche Blumenwiesen, Felspartien usw.). Aber auch andere Wahrnehmungen resultieren aus dieser Vielfalt der Landschaft, z. B. der Gesang eines Vogels, das Plätschern eines Baches, das Rauschen der Blätter im Wind, diverse Gerüche oder auch zahlreiche haptische Wahrnehmungen durch das Berühren von Gegenständen aus der Natur. Diese Empfindungen und Eindrücke sind natürlich immer auch abhängig von der jeweiligen Jahres- oder Tageszeit.

Neben dem Landschaftsbild ist das Inventar einer Landschaft von großer Bedeutung. In Abhängigkeit von den jeweils vorhandenen Biotopen ist es auch die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die unser Bild von der Schönheit einer Landschaft prägt. Ein Schmetterling auf einer Blumenwiese im Sommer zählt dazu oder etwa der Ruf balzender Mäusebussarde im Frühjahr. Auch alte Bäume mit bizarren Wuchsformen sind hier zu nennen, ebenso die Vielfalt und Farben der Blätter sowie die Baum- und Strauchfrüchte im Herbst. Aber auch Blockhalden, Felsenmeere oder andere geologische Formationen sind eindrucksvolle Bestandteile eines Landschaftsinventars.

Die besondere Eigenart einer Landschaft ist ein weiterer Aspekt bei der Beurteilung der Landschaftsästhetik. Ganz unterschiedlich können Landschaften sein. Denken wir dabei z. B. an Flussauen, hügelige Mittelgebirge, Weinberge, geschlossene Waldbereiche, Moore oder Offenland mit überwiegender landwirtschaftlicher Nutzung. Bei der Bewertung der Eigenart einer Landschaft spielt immer auch der „Heimatgedanke“ eine Rolle.

Die Übergänge der genannten Kriterien sind meist fließend und müssen in der Regel als komplexes Gesamtbild betrachtet werden. Wenn wir hier von Landschaft reden, ist in Deutschland natürlich immer die anthropogen beeinflusste und historisch geprägte Kulturlandschaft gemeint, die aber durchaus auch „naturnah“ und ästhetisch reizvoll sein kann. Genießen wir also unsere facettenreiche Landschaft in all ihrer Schönheit.

Fotos © Hubertus Schwarzentraub