Naturschutz-Akademie Hessen

Hummeln brauchen Hilfe


Wir alle kennen sie, die „dicken Brummer“, die in der freien Natur und in unseren Gärten recht auffällig in Erscheinung treten. Die Rede ist von Hummeln, die schon im zeitigen Frühjahr und auch im weiteren Jahresverlauf zu beobachten sind. Wie die Bienen und Wespen, gehören auch die Hummeln zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera) innerhalb der Insektenklasse. Etwa 30 Arten leben in Deutschland.
Schon im April (auch bei recht niedrigen Temperaturen) verlassen die – je nach Art recht großen - Königinnen ihre Winterquartiere, um geeignete Nistplätze zu finden. Um sich mit Energie zu versorgen, sind die Tiere bereits in dieser frühen Phase auf Nahrung (Nektar) angewiesen, die sie auf früh blühenden Kräutern und Sträuchern finden. Sobald ein Nistplatz, etwa ein verlassenes Mäusenest oder eine Baumhöhle, gefunden ist, wird dieser für die Staatengründung hergerichtet und Pollen und Nektar für die Brut eingelagert. Sodann erfolgt die Ablage der Eier, aus denen im Laufe des Sommers bis zu 400 Individuen hervorgehen können.

Fotos © Hubertus Schwarzentraub


Nachdem die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, übernehmen diese die Nahrungssuche und Brutpflege, während die Königin weiter Eier legt. Erst im Spätsommer entwickeln sich aus den Eiern die neuen Königinnen, die von den dann ebenfalls schlüpfenden Drohnen begattet werden. Die Drohnen, Arbeiterinnen und auch die alte Königin sterben im Herbst, während die Jungköniginnen einen Überwinterungsplatz aufsuchen, damit der Zyklus im folgenden Jahr erneut beginnen kann.

Hummeln sind in ihrem Bestand gefährdet, weil sie häufig nicht mehr die oben skizzierten Bedingungen vorfinden. Durch die intensive Landwirtschaft verschwinden immer mehr Wildkräuter aus der Landschaft. Grünanlagen und Gärten in Siedlungsbereichen bestehen häufig aus „Vielschnittrasen“ und aus exotischen Pflanzen, welche für unsere heimischen Hummeln als Nahrungsquelle unbrauchbar sind. Durch unsere Ordnungsvorstellung sind Hummeln sehr häufig mit einem akuten Nistplatzmangel konfrontiert, weil geeignete Plätze (Höhlen und andere Deckungsbereiche) vernichtet werden.
Aus diesen Gründen erscheint es dringend geboten, Maßnahmen zur Erhaltung und zum Schutz der Hummeln zu ergreifen, wovon auch zahlreiche weitere Lebewesen profitieren würden. Häufig könnte dies bereits erreicht werden durch Verzicht, etwa auf:

- den Einsatz von Pestiziden, insb. in den Ackerrandbereichen
- die Bewirtschaftung von Feld- und Ackerrainen
- die Frühe Mahd der Wiesen und auf Einheitsrasen
- die Verwendung exotischer Pflanzen in den Siedlungsbereichen
- die Beseitigung potenzieller Nistplätze durch übertriebene Ordnungsliebe

Natürlich sind auch aktive Schutzmaßnahmen (z. B. im eigenen Garten) möglich, etwa:

- Anpflanzung und Förderung einheimischer Kräuter, Stauden und Sträucher
- Anlage einer blütenreichen Wildwiese und extensive Mahd
- Schaffung natürlicher (oder auch künstlicher) Nisthilfen


Literatur

Naturschutzjugend im Dbv Göppingen (Hrsg.), 1990
Hummeln
In Kiebitz, Zeitschrift der Naturschutzjugend im DBV Kreis Göppingen,
Heft 3/90, 10. Jahrgang, Göppingen

Naturschutz-Zentrum Hessen e. V. (Hrsg.), 2002
Hummel- und Schmetterlingspflanzen für den Garten
Merkblätter zum Naturschutz, Nr. 12, Wetzlar