Naturschutz-Akademie Hessen

Hauskatzen und Artenschutz


Nach Einschätzung des „Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe“ leben in Deutschland mehr als 12 Millionen Hauskatzen in über 16 % aller Haushalte (ZZF, 2012). Die Katze ist damit eindeutig die Nummer 1 unter den beliebtesten Heimtieren. Diese hohe Individuenzahl hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wildtierpopulation, insbesondere in den Siedlungsbereichen.

Alle Hauskatzen sind Jäger, die vor allem Kleinsäugern und Vögeln nachstellen, aber auch Insekten und Reptilien werden erbeutet. Wenn man unterstellt, dass die meisten Katzen die Möglichkeit des Freiganges haben, sind – bei der großen Anzahl der Katzen – durchaus auch hohe Beutezahlen zu erwarten. Das Beutespektrum erstreckt sich von Mäusen, Ratten, Bilchen und Eichhörnchen über kleine Singvogelarten bis hin zu größeren Insekten, etwa Tagfalter und Libellen. Sogar Eidechsen und Amphibien werden erbeutet. Katzen jagen übrigens auch bei regelmäßiger Fütterung durch den Menschen, wobei die verwilderten Exemplare natürlich vollends auf die Jagd angewiesen sind.

Fotos © Hubertus Schwarzentraub

Vielfach sind es unerfahrene Jungtiere von häufig vorkommenden „Siedlungsarten“ (Amseln, Meisen und Mäusearten), die gefangen werden. Diese Arten sind durchaus in der Lage, die Verluste zu kompensieren, so dass selbst eine hohe Beutegreiferkonzentration in den Gärten der Siedlungsbereiche kaum erkennbare Auswirkungen auf den Bestand hat. Problematischer wird die Situation, wenn die Katzen ihr Jagdgebiet auf das angrenzende Offenland und den Wald ausdehnen. Dann können auch seltene Arten zum Opfer werden und Verluste die betroffenen Arten beeinträchtigen.

Der Einfluss der Hauskatzen auf den Artenschutz wird durchaus kontrovers diskutiert. Während einige „Peterle“ für den Rückgang oder gar das Verschwinden von Arten verantwortlich machen, halten andere diese Einschätzung für überzogen, da in den meisten Fällen nur häufig vorkommende „Allerweltsarten“ betroffen seien. Natürlich spielen dabei auch die örtlichen Gegebenheiten mit dem vorhandenen Arteninventar eine Rolle.

Um das Problem zu mindern, werden – z. B. vom NABU – einige Maßnahmen genannt, etwa die Kastration bzw. Sterilisation insbesondere von verwilderten Hauskatzen. Damit könne nicht nur eine ungezügelte Vermehrung reduziert werden, sondern auch die denkbare genetische Vermischung mit der seltenen Wildkatze. Ferner wird das phasenweise Einsperren der Freigänger während der Hauptbrutzeiten im Frühjahr empfohlen (NABU, 2013).

Auch eine naturnahe Gartengestaltung kann zum Schutz der Arten beitragen, indem z. B. einheimische Hecken (evtl. sogar mit Dornen) angelegt werden, um den Katzen den Zugang zu verwehren. Einzelne Brutbäume können überdies mit mechanischen Schutzvorrichtungen zur Kletterabwehr versehen werden.


Literatur

NABU, 2013
http://www.nabu.de/themen/vogelschutz/15537.html

ZZF, 2012
http://www.zzf.de/index.php?id=117&eID=dam_frontend_push&docID=393