Naturschutz-Akademie Hessen

Der Buntspecht - "Zimmermann des Waldes"

Ein lautes, hölzernes Trommelsignal durchdringt alljährlich den Winter- und Frühlingswald. Verantwortlich dafür ist der Buntspecht (Dendrocopos major), der mit etwa 20 Schlägen pro Sekunde einen Baumstamm mit seinem kräftigen Schnabel bearbeitet.

Der farbenprächtige, etwa amselgroße Kletterkünstler zeigt die Biotopqualität eines Waldes an. Der Buntspecht besiedelt jedoch nicht nur Wälder aller Art, er ist auch in Parkanlagen, Friedhöfen und Gärten weit verbreitet.
Das schon erwähnte Trommeln hat zwei Gründe. Einerseits resultiert es aus eifrigen Bauarbeiten an der sackartigen Bruthöhle, die meist in beträchtlicher Höhe (10 Meter und mehr) über dem Boden in einem Baumstamm angelegt wird. Andererseits dient das Hämmern der lautstarken Revierabgrenzung, weshalb der Vogel auch gern Leitungsmasten, Blechdächer und andere geeignete Resonanzkörper benutzt.
Der Ruf des Buntspechtes besteht aus einem lauten, harten und weit hörbaren „Kick-Kick“. Sein französischer Name lautet daher auch „le pic“. Buntspechte sind hervorragende Kletterer, die dafür mit speziellen Füßen ausgestattet sind und ihren Schwanz zusätzlich als Stütze am Baum einsetzen. Ein weiteres Kennzeichen ist ihr wellenartiger Flug.

Da Buntspechte ihre Bruthöhlen nur in morschen Baumhöhlen zimmern können, sind sie auf einen gewissen Alt- bzw. Totholzanteil im Wald angewiesen. Vom Totholz und von absterbenden Bäumen profitieren jedoch nicht allein die Spechte. So werden verlassene Spechthöhlen sehr gerne von anderen, zum Teil bedrohten, Tierarten (Fledermäuse, andere Höhlenbrüter, Insekten) genutzt.
Die Nahrung des Buntspechtes ist sehr vielfältig. Zur Jungenaufzucht und in der warmen Jahreszeit herrschen holzbewohnende Insekten und deren Larven vor. Im Herbst und Winter werden gerne Beeren, Nüsse und Sämereien genommen. Der aufmerksame Wanderer findet mitunter sog. Spechtschmieden. Dies sind meist Astgabeln oder auch Borkenspalten, in die der Vogel Nüsse oder Nadelholzzapfen einklemmt, um diese aufzuhacken und so leichter an die Kerne bzw. Samen zu gelangen. Da diese Spechtschmieden über lange Zeiträume genutzt werden, finden sich dort manchmal große Mengen an Zapfen- und Schalenresten.

Der Buntspecht in seinem Lebensraum ist ein wichtiger Bestandteil der Natur. Daher sind alle Maßnahmen zu begrüßen, die seine Existenz langfristig sichern. In erster Linie zählt dazu eine naturgemäße Waldbewirtschaftung, die naturnahe Mischwälder mit hohem Alt- und Totholzanteil, bei einem Verzicht auf Insektizideinsatz, gewährleistet. Schützen und fördern wir den „Zimmermann des Waldes“!



Literatur

Bezzel, E., 1999
Vögel
BLV Verlag, München

Svensson, L. et al., 1999
Der neue Kosmos Vogelführer
Franckh-Kosmos, Stuttgart

Fotos © Hubertus Schwarzentraub