Naturschutz-Akademie Hessen

Das Wildschwein - eine Erfolgsgeschichte?


Verständlicherweise richtet der Naturschutz gerne das Augenmerk auf gefährdete Arten und bedrohte Lebensräume. Allerdings leben in unserer Kulturlandschaft auch sehr anpassungsfähige Spezies, deren Bestand nicht gefährdet ist. Ein bemerkenswerter Vertreter dieser Gruppe ist das Wildschwein (Sus scrofa), welches gerade auch in Hessen weit verbreitet ist. Allerdings werden es nur wenige Naturfreunde am Tag zu Gesicht bekommen, weil das „Schwarzwild“, wie es der Jäger bezeichnet, in unserem dicht bevölkerten Land eine überwiegend nachtaktive Lebensweise angenommen hat.
Wildschweine leben in Familienverbänden (Rotten) zusammen, die hauptsächlich aus weiblichen Tieren (Bachen) und deren Nachkommen bestehen. Insbesondere die älteren männlichen Tiere (Keiler) leben als Einzelgänger und schließen sich nur während der Paarungszeit (im Winter) den Rotten an. Die Tiere sind sehr wehrhaft und insbesondere die Bachen verteidigen ihre kleinen Frischlinge bedingungslos, wenn diese bedroht werden. Aber auch die alten Keiler mit ihren messerscharfen Eckzähnen sind ernstzunehmende Gegner, wenn sie etwa bei der Jagd in die Enge getrieben werden. Im südhessischen NSG „Kühkopf-Knoblochsaue“ hat ein Keiler mehrfach harmlose Spaziergänger attackiert und zum Teil auch verletzt.

Fotos © Hubertus Schwarzentraub

Wildschweine sind „Allesfresser“, die sich von Wald- und Feldfrüchten (Eicheln Bucheckern, Getreide und Mais) ernähren. Aber auch tierische Nahrung (Jungtiere, Mäuse, Würmer, Engerlinge, Gelege und Aas) wird gerne aufgenommen. Speziell die sehr starke Zunahme des Maisanbaus in der Landwirtschaft hat zu einem reichen Nahrungsangebot für das Schwarzwild geführt, worauf die Tiere mit erhöhten Reproduktionsraten reagiert haben – ein Hauptgrund für die hohe Populationsdichte. Hinzu kommt, dass Wildschweine (außer dem Menschen und dem Straßenverkehr) quasi keine natürlichen Feinde bei uns haben. Ferner stellt die Art keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Nur die Schweinepest, eine Viruserkrankung, kann eine hohe Sterblichkeit in der Population bewirken.
Die gewaltige Zunahme der Wildschweinpopulation in Hessen wird auch über die Jagdstreckenstatistik deutlich. Noch um 1940 belief sich die Zahl der erlegten Tiere auf etwa 1.300 pro Jahr; heute sind es fast 70.000 (!) Tiere. Durch diese hohe Dichte entstehen immer größere Schäden in der Landwirtschaft. Aber auch Siedlungsbereiche der Menschen (Gärten, Rasenflächen, Sportanlagen …) werden zur Nahrungsbeschaffung von den Tieren aufgesucht und dabei beeinträchtigt.

Literatur
Deutscher Jagdschutzverband e. V., 2012
DJV-Handbuch Jagd
DJV Service und Marketing GmbH, Bonn

Reichholf, J. 1983
Säugetiere
Mosaik Verlag GmbH, München