Naturschutz-Akademie Hessen

Bitte keine Tierwaisen aufnehmen!


Im Frühjahr und Sommer passiert es immer wieder, dass wir verwaiste und offenbar hilflose junge Wildtiere finden. Meist sind es Jungvögel, die am Boden hocken, aber auch Rehkitze oder junge Feldhasen können wir beim Spaziergang in der Natur finden. Denkbar ist auch die Begegnung mit einem kleinen Igel oder anderen Jungtieren.

Schnell sind wir dann bereit, den anscheinend verlassenen Tieren zu helfen, indem wir sie aufnehmen und an einen sicheren Ort verbringen. Unsere spontane Hilfsbereitschaft wird dabei auch zusätzlich noch vom „Kindchenschema“ beeinflusst, welches Jungtiere besitzen, um entsprechende Reize auszulösen. Fast immer erreichen wir mit diesem Aktionismus jedoch das Gegenteil und trennen die Jungtiere nun endgültig von den Eltern, was in der Regel tödlich ausgeht.

Reh mit Kitz

Die Kleinen sind häufig nicht so hilflos, wie es scheint und durchaus auch nicht von den Eltern getrennt. Jungvögel etwa verlassen das Nest mitunter schon bevor sie in der Lage sind, richtig zu fliegen. Aber auch außerhalb des Nestes werden sie von den Eltertieren weiter gefüttert und versorgt. Rehkitze oder auch Junghasen werden von den Eltern bewusst abgelegt und verharren stundenlang regungslos in Wiesen, auf Äckern und im Bereich von Waldrändern. Sie sind sehr gut getarnt und haben in dem jungen Alter auch keine Eigenwitterung, so dass sie vor Beutegreifern gut geschützt sind. Natürlich werden sie regelmäßig von ihren Müttern gesäugt und erfahren auch die notwendige Körperpflege.

Junge Stockenten

Nichts zu tun ist also oftmals besser. Es gibt jedoch auch Gefahrensituationen, wo man helfen sollte. So ist es sicher sinnvoll, ein Jungtier aus dem Bereich einer Straße zu nehmen, um es dann in der Nähe wieder abzulegen. Wenn man eine Hauskatze besitzt, ist der Jungvogel in einer Hecke besser geschützt als auf einer offenen Rasenfläche.
Offensichtlich verletzte (Jung-)tiere kann man in eine Auffang- oder Pflegestation (bei Naturschutzbehörden oder Naturschutzvereinen nachfragen) bringen, wo sie fachgerecht versorgt werden.

Fotos © Hubertus Schwarzentraub